2010

Die G´schichte von derer G´schicht
und die Verleihung des Süßer Theaterpreises 2010


„Der bezahlte Urlaub“




Bereits bei der Generalversammlung im November 2009 stand unser diesjähriges Theater fest: Der bezahlte Urlaub. Ein kompletter Plan wurde erstellt, die Bühne sollte Ende Dezember fertig sein, der Maler Roland Gotthans aus Luppersricht kümmert sich um die aufwendige Bemalung der Außenbühne, die von unserem Bühnenbauer Walter Wagner mit seinen fleißigen Helfern rasch aufgebaut wurde.
In mühevoller Kleinarbeit und mit erheblichem Zeitaufwand wurde dann die Bühne von Probe zu Probe farbenprächtiger und wie Tom bei jeder Ansprache erwähnte, war Roland Gotthans von den Spielern nie gesehen worden. Auch die Erweiterung der Bühne nach vorne mit der Rampe, dem Misthaufen und der Schwingtür zum Kuhstall wurde nach und nach von Walter fertiggestellt.

Die ursprüngliche Besetzung mit 4 Damen und 5 Herren konnte nicht ganz verwirklicht werden, also wurde kurzerhand aus Dietmar zuerst Dietlind und dann Wibke Döttelhoff. Diese Rolle übernahm Kathrin Bauer mit Bravur, denn die Rolle der zickigen Preußin schien ihr wie auf den Leib geschrieben. Auch ihre Schwester Thekla Döttelhoff, war mit Sabine Weich perfekt besetzt, denn obwohl beide zu Anfang noch in die Rolle hineinschlüpfen mussten, werden sie nun wohl Probleme damit haben, aus ihr wieder heraus zu kommen.
Beide waren der hochdeutschen Sprache mächtig und blühten in ihren Rollen sichtlich auf. In hochhackigen Schuhen und insgesamt 4 verschiedenen Outfits hatten sie einen wahren Marathon im umziehen zu bewältigen, denn im dritten Akt waren die beiden schon mit drei verschiedenen Garnituren auf der Bühne zu sehen. In ihrer unnachahmlichen Art stellten sie Georgs Geduld oft auf die Probe, denn sie versuchten mit ihrer Kreativität und viel Freestyle mehr Leben in die Proben zu bringen. Apropos Style, das Haarstudio YOUR STYLE mit Kornelia und Maria Knietsch aus Hirschau hatte es doch glatt geschafft aus den beiden noch mehr herauszuholen und ihnen ein neues Hairstyling verpasst, dass sogar Sabines Freund leichte Mühe hatte, sie zu erkennen.

Viel Arbeit hatten die beiden Stylisten auch mit den anderen Damen wie zum Beispiel mit Christine Schüller, die in der Rolle der Bäuerin Theres Herberger eigentlich viel zu gut aussah, wie manche Zuschauer feststellen, aber sie konterte mit dem Argument, dass sie ja aus dem Klischee der einfachen Landwirtin mit ihrem Agrarhotel ausbrechen wollte, und dies auch äußerlich zeigen konnte. Deine in der Schule scheinbar oft eingesetzte energische Art half dir im Umgang mit deinen Gegenspielern. Bravo Christine, wenn du auch am Anfang Probleme hattest, dich in die Rolle einzufinden, hast du dich dann als Toms Frau sichtlich wohl gefühlt und dies den Zuschauern auch perfekt vermittelt. Besonders die Szene in der du dich schützend vor ihn stelltest, als er seine Kleidung noch ordnen musste, war genial. Leider hast du den Vorschlag, selbst Hand anzulegen abgelehnt, obwohl dies natürlich noch das i-Tüpfelchen gewesen wäre.

Doch Tom Fenk stand dir in seiner Kreativität nicht nach, denn genau diese Szene entstand aus einem kleinen Versehen, das er aber wie immer, gekonnt in das Spiel integrierte. Mit seiner langjährigen Schauspielerfahrung beweist er immer aus neue seine Professionalität wenn es zu ungewöhnlichen Situationen kommt. Wenn er dann auch noch seine Autorität einsetzt ist er schier unschlagbar, vielleicht ist das ein Grund dafür, dass er Vorstand ist?! Freestyle war auch bei ihm ganz groß, so war zum Beispiel die Aktion mit der Kuhstallgirlande immer wieder anders, doch jedes Mal ein Erfolg.

Diese Szene lebte nicht zuletzt durch das hervorragende Zusammenspiel mit seinem etwas unterbelichteten Kuhstallpfleger Simmerl, der wie aus dem echten Leben, von Stephan Sertl verkörpert wurde. Sein Freestyle stand auf wackeligen Beinen. Die Leiter wurde zwar mit Ketten verstärkt, doch hielt sie Stephans Eskapaden nur mit Mühe stand. Sabrina musste ein paar Mal mit eingreifen. Ein Wunder ist es schon, dass Stephan heute wieder normal sprechen kann, denn er hatte in den letzten Stücken immer wieder einen neuen Sprachfehler. Wenngleich seine Sprachlosigkeit bei der letzten Aufführung von zwei Frauen verursacht wurde, die ihn durch ihr Lachen sogar dazu trieben, von dem Geräucherten zu probieren, wodurch er dann wiederum nicht weiterspielen konnte: Jetzt miasts mi erst mal unteschlucken laua. Dieser Spruch brachte bei Georg fast einen Vulkanausbruch zustande. Der Renner waren auch immer wieder seine dreckigen Füße, die er sich mit Wonne anmalen ließ, und die dann zum Vorschein kamen, wenn er bei seiner Wette die Stiefel von sich schleuderte. Ja, ja, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, und wenn man eine Wette verloren hat, dann kommt man eben im Schürzertl und im Häuberl.

Diese Wette ging für Sabrina Englhard als Tochter Maria Herberger nochmal gut aus. Sabrina wird wohl die ewige Tochter bleiben, denn außer einmal dem Bäckergesellen Bepperl hat sie immer Töchter gespielt. Ihre Stimmgewalt beim aufhängen der Girlande, überraschte sogar Georg, der meinte, "das traut man ihr gar nicht zu". Eine besondere Herausforderung war die Schilderung des Frühstücks. "Schaffst du das mit nur einmal Luft holen?" fragte Georg, und Sabrina ließ sich das nicht zweimal sagen. Das herunterrasseln der einzelnen Frühstückszutaten brachte immer einen berechtigten Applaus.

Bei der Gerichtsverhandlung im dritten Akt schafft sie dies noch einmal, und überraschte damit den anwesenden Richter Dr. Glatzeder. Diese Rolle war eigentlich mit Matthias Lindner besetzt, der auch die lästige Probenzeit fast vollständig durchmachte. Uns andere überraschte er dann mit einem plötzlich auftretenden gesundheitlichen Problem, sodass er kurz vor der Premiere ausfiel. Nun war guter Rat teuer und es mußte kurzfristig ein Ersatz gefunden werden. Die Wahl fiel auf Markus Schmeißner, der sogleich telefonisch informiert wurde, und von seiner Frau moralisch unterstützt wurde: "Nun stell dich nicht so an, Sabrina hatte bei ihrem kurzfristigen Einsatz nur ein paar Stunden Zeit, du hast fast noch zwei Wochen". Und so übernahm Markus die Rolle von Matthias, der dieser in mühevoller Kleinarbeit schon den nötigen Schliff verliehen hatte. Markus setzte aber noch eines drauf, denn auch bei ihm war Freestyle angesagt als er das königlich Bayerische Amtsgericht in den Rouherersaal holte. Als wäre er für diese Rolle geboren, spielte Markus alle Aufführungen durch den Richter.

Tatkräftige Unterstützung bekam er von seiner Gerichtsschreiberin Fräulein Spitzer, die unser Neuzugang Theresa Graf spielte. Diese kannte nämlich seinen Text vollkommen auswendig und spielte seine ganz private Souffleuse. Eigeninitiative änderte sie ihren Text, "ja, hob ich wos von hisetzt gsagt?", was aber sofort von Georg für gut befunden und übernommen wurde. Mit dem Studium und Nachahmung des Gerichtsdieners beim königlich bayrischen Amtsgericht "alles auf", "jawohl", und "der Zeuge in den Zeugenstand, sofort", hatte auch sie großen Erfolg bei den Zuschauern. Ihre Gelassenheit in dieser Rolle zeigte sich am besten bei der Aufführung, bei der ihre Mutter direkt vor ihr im Zuschauerraum saß, sich vor Lachen kaum noch halten konnte, Theresa aber in keinster Weise beeinträchtigte.

Ihre Textsicherheit war ähnlich der des Rechtsanwalts der Geschwister Döttelhoff. Dr. Malte von Grunewald, gespielt von Christian Lindner, lernte seinen Text komplett wörtlich auswendig, so dass er die Unterstützung in seiner Amtsmappe kaum noch brauchte. "Kannst du das auch in Hochdeutsch?" fragte Georg ihn, und Christian gab sein Bestes. Auch wenn ab und zu ein Ausrutscher dabei war, gelang es ihm doch immer wieder, den Eindruck eines Preußen zu erwecken. Eingezwängt in die etwas zu kleine Robe gab er mit Fliege doch eine stattliche Figur ab.

Um ein gutes Gelingen der Aufführungen zu garantieren, sind aber wie immer noch ein paar weitere, helfende Hände nötig, als da sind der Elektriker, der noch im letzten Moment kurz vor der Premiere einen Kurzschluss behebt, die Vorhangaufzieher, die immer pünktlich die einzelnen Akte öffnen, bzw. schließen, sowie die Werbung mit Kartenvorverkauf und Abendkasse und nicht zu vergessen die Brezenverkäufer, die es schafften, diesmal mehr Brezen zu verkaufen als von den Spielern gegessen wurden.

Tom meinte ja an der Generalversammlung, das Buffet sei jetzt seit 8 Jahren gleich, da wäre es an der Zeit, mal was zu ändern. Die Metzgerei Hirsch aus Hohenkemmnath lieferte ein kalt / warmes Buffet, das sich sehen lassen konnte. Alle Gäste an der Premiere waren begeistert und hätten gerne noch von dem reichlichen Essen genommen, konnten aber leider nicht mehr.

Nach der Premiere ist unser Wirt Jaro wieder in seine Heimat Tschechien zurückgegangen, und hat uns einer Herausforderung gestellt, die jedoch nach vielen Diskussionen über das Wer und Wie mit Hans und Gretl Lederer schnell geklärt war. Ein Plan wurde aufgestellt, um die Situation kurzfristig zu überbrücken. Schnell war klar, dass Hans mit seinen Kindern, Christian und Lisa den Ausschank übernimmt.

Der ursprünglich ungeplante Einsatz der Bedienungen bei der Premiere und auch bei den anderen Aufführungen kam bei den Gästen sehr gut an. Auch die anfänglichen Bedenken aus der Küche, die unter der Leitung von Werner Kohl und Walter Wagner war, erwiesen sich als unbegründet, denn, wie man aus gut unterrichteten Kreisen erfahren konnte, waren in der Küche nach der letzten Aufführung fast keine Reste mehr übrig.

Dies alles zusammen sorgte für die ausgelassene Stimmung nach der letzten Aufführung, die erst in den frühen Morgenstunden endete. Manch einer suchte auf dem Nachhauseweg seine Nerven, die bei der vorletzten Aufführung verlorengingen, als die Geräusche nicht zu hören waren, da entweder der CD-Spieler bzw. die CD versagte.

Die 1000 Zuschauer konnten wir leider nicht erreichen, weshalb Tom heute noch seine Haarpracht täglich bewundern kann. Mal schaun, wer sich im nächsten Jahr zu einer Wette mit den Zuschauern einlässt, denn die von Tom ist ja nun leider verjährt.

Alles in allem eine gelungene Aufführung, auf die wir alle sehr zufrieden sein können und dürfen.

Die Entscheidung für die Verleihung des Theaterpreisen ist in diesem Jahr schwierig, da eigentlich jeder diese Auszeichnung verdient hätte.
Aber wie beim Highländer kann es nur einen geben:




Verleihung des Theaterpreises

Süßer Theaterpreis 2010


In der Kategorie:
Bestes Engagement
wurden nominiert:


Das Bühnenbild für:
das beeindruckende Alpenpanorama und der wunderbaren Illusion eines Agrarhotels


der Jungbulle Franzl für:
seinen zeitlich pointierten Einsatz in allen Situationen und sein tägliches Engagement trotz Trauerschock und Zeitumstellung


Die Darsteller, die eigentlich alle nominiert werden müssten, als da sind: Theres und Sixt Herberger mit Tochter Maria und Simmerl die Geschwister Thekla und Wibke Dotterkopf mit ihrem Rechtsanwalt Dr. Malte von Grunewald Richter Glatzeder und Fräulein Spitzer für schauspielerische Höchstleistungen und Flexibilität in unerwarteten Situationen



The Winner is unser Service-Team
Zum ersten Mal in der Theatergeschichte in Süß gelang es einer nicht-nominierten Supertruppe, die begehrte Auszeichnung zu erringen:


Theaterpreis 2010

für unser Serviceteam, das jedes Mal neu die Herausforderung mit den unvorhersehbaren Wünschen der Zuschauer aufnahm:

Stellvertretend für alle Beteiligten Werner Kohl und Walter Wagner als Verantwortliche in der Küche

Zu dieser Entscheidung wesentlich beigetragen hat die besondere gastronomische Leistung, die von den Zuschauern mehrfach lobend erwähnt wurde.

Im Einzelnen waren das:

  • Der ungeplante Einsatz der Bedienungen bei der Premiere
  • Die tägliche neue Herausforderung des Küchenpersonals mit dem Gericht des Tages
  • Der kurzfristige und doch erfolgreiche Einkauf an Sonn- und Feiertagen
  • Die herausragende und zeichensetzende Servicequalität unserer Bedienungen (Wer noch was will, hebt mal die Hand!)