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Angefangen hat das Ganze schon recht hektisch, obwohl doch schon bei der Generalversammlung die Stückauswahl auf zwei Favoriten eingegrenzt wurde. Wobei, Favoriten ist gut, es gab ja nur die zwei Alternativen, aber das hat uns Tom erst zum Schluss wissen lassen.
Es ist wie jedes Jahr, wenn es heißt: „Wir warten auf das Christkind“ so ungefähr fühlten sich alle, aber das Christkind ließ sich Zeit bis zum 4. Januar, und da im Januar Weihnachten schon vorbei ist, wurde es, wie bereits erwähnt, schon recht hektisch.
An besagtem 4. Januar liefen die Drähte heiß, und zwar die Telefondrähte von Tom und Georg, denn die beiden hatten die zu erledigenden Anrufe unter sich aufgeteilt, bei denen den jeweiligen Spielern mitgeteilt werden sollte, daß an diesem Abend gegen 19.30 Uhr beim Rouherer die erste Leseprobe ist.
Unglücklicherweise waren durch diese Aufteilung der Anrufe plötzlich zu viele Spieler anwesend, und spontan wollte auch keiner auf das zu erwartende Vergnügen des Spielens verzichten.
Bei einem 4-Augen-Gespräch hat dann Gilbert Hirschmann auf sein Gastspiel verzichtet, da er meinte mit seinen Schichten wäre das eh recht schwierig geworden. Dank an Schilly, der bei einer schwierigen Entscheidung geholfen hat.
Nun hieß es dann nur noch, 2 ursprüngliche Männerrollen an Frauen zu verteilen.
Bei einer war das nicht weiter schwierig, denn der Regierungsrat Rehbeck konnte ohne große Probleme in die Landrätin Paula Rehbeck umoperiert werden.
Etwas länger war da schon die Diskussion um den Baggerfahrer Schwippl Schorsch, aber kurz entschlossen meinte Kathrin, das wäre die perfekte Rolle für sie, denn der Baggerfahrer kommt nur im 3. Akt bei einer Szene auf die Bühne, und da sie sowieso ein kleines Zeitproblem hätte, käme ihr das sehr gelegen.
Und so ging es dann los, gleich an diesem Abend hielten wir noch die erste Leseprobe, der dann weitere 22 folgten. 6 davon ohne Willi, denn der war ja 3 Wochen auf Kur. Willi, nur eins am Rande, die Proben ohne dich waren einfach nicht so lustig wie sonst.
Doch Georg hat nicht lange gefackelt, er meinte immer nur, wenn der Text sitzt, und jeder weiß was er zu tun hat, dann ist das alles kein Problem. Manchmal musste er bei den Proben selbst mit eingreifen, sprang kurz entschlossen auf die Bühne und machte einfach vor was er meinte. Mit Kritik hielt er nicht zurück, doch beim Lob war er sparsam, damit wartete er bis nach der letzten Aufführung. Sein Motto war:
Einfach nur Gas geben, und schon läuft das Theater.
Und wie es lief, bei 5 Aufführungen haben wir insgesamt 888 Zuschauer für ein paar Stunden zum Lachen gebracht.
Der Saal war jedes Mal brechend voll, Michael hat den Spagat zwischen Angebot und Nachfrage sehr gut gemeistert, denn wer nicht kommt zur rechten Zeit, muß eben am Rand sitzen, doch das war den Leuten egal, Hauptsache, sie konnten noch ins Theater kommen. Für nächstes Jahr gibt es noch jede Menge Verbesserungsvorschläge, so werden wir zum Beispiel noch eine Aufführung dranhängen, damit auch die Zuschauer, die aus Platzgründen heuer eine Absage erhielten, nächstes Jahr bei unserem 10-jährigen genauso mitlachen können.
Jede Aufführung wird geprägt durch die Stimmung und Zusammensetzung der Zuschauer, durch die Launen der Spieler und der Eigenmächtigkeiten der Verantwortlichen für den Vorhang.
Alex und Stephan haben doch glatt bei der Premiere am Ende des ersten Aktes den Vorhang einen Einsatz zu früh zugezogen. Gittl war ganz verblüfft, was denn nun mit ihr sei, und auch Markus als Bürgermeister blieb nichts weiter übrig, als dumm zu schauen. Die beiden Vorhang-Verantwortlichen hatten aber auch noch eine gute Erklärung: das ist doch ein viel besserer Schluss!! Es haben ja eh schon alle gelacht, da haben wir einfach zugezogen. Und Recht sollten sie bekommen, wir haben dann diesen „Schnellen Vorhang“ bei jeder Aufführung beibehalten.
Gittl war nicht böse, denn sie hatte diesmal wahrlich genug zu tun. Bereits im ersten Akt musste sie sich 2-mal umziehen, und insgesamt waren es dann 5 verschiedene Outfits, da ist man alleine schon mit Umziehen eine ganze weile beschäftigt. Doch trotz allem Umziehstress hat sie bei jeder Aufführung die ihr eigene Spitzenleistung gezeigt.
Ihren Mann hat das alles wenig interessiert, denn der war zu beschäftigt mit seinem Spritzbrunnen, der einmal spritzte und einmal wieder nicht. Aber wenn er spritzte, dann aus allen Richtungen, und das hat uns Markus auch bewiesen, wenn er auch schon bei den Proben tropfend nass hereinkam. Eigentlich hätte er sich das Wasser aus der Leitung sparen können, war er so schon nach dem ersten Akt vollkommen durchgeschwitzt. Doch sein Prunkstück lieferte er kurz nach dem leeren der Schnapsflasche ab. Dieser Rülpser war jedes Mal ein Garantie-Lacher.
Was auch immer gut ankam war die „Semmel-Szene“ Christine und Willi sprachen mit Gestik und Mimik eine deutliche Sprache, die jeder Zuschauer verstand. Willi kam in seiner hektischen Art dem Bühnenrand manchmal etwas zu nahe, was viele Zuschauer in Angst und Schrecken versetzte, doch war das einfach seine Art, seine Rolle zu perfektionieren. Auch er brauchte ab und zu ein Handtuch um den Beweiß seiner Anstrengung abzuwischen.
Christine war die reinste Verwandlungskünstlerin, einmal spielte sie die entschlossene Bürovorsteherin, ein andermal die verständnisvolle heimliche Verehrerin, und gegenüber Walter war sie dann die energische Stellvertreterin des Bürgermeisters, die ihm gehörig die Meinung sagte.
Diesen Part hatten die beiden bis ins Detail immer wieder, auch außerhalb der Proben nochmals geübt und verfeinert. Ja, Christine hat sich in die Rolle sehr gut eingefunden, vielleicht wäre ein Bürojob für sie ja auch eine Alternative zum Lehramt gewesen?
Der Walter hatte es auch nicht leicht, musste er doch die Doppelbelastung mit Bühnenbau zum einen und Spieler zum anderen meistern, doch er hatte beides fest im Griff. Auch er zeigte uns seine facettenreiche Persönlichkeit: einmal musste er den respektablen Wirt zum schiefen Eck geben, dann war er der reuige Bauherr, dem ein Malheur passiert war, und dann war er auch noch der Vater seines hochintelligenten Sohnes, den er nicht so einfach seiner Freundin überlassen wollte.
Unser Neuling Christian hat seine Erstlingsrolle sehr gut gemeistert. War es für ihn nicht immer ganz leicht, bereits bei den Proben den Verliebten zu spielen, zeigte er bei den Aufführungen doch ganz genau, was in ihm steckte. Textsicherheit gepaart mit gekonntem Auftreten verliehen ihm das Ansehen eines erfahrenen Spielers. Sein Mut, sich mit lauter alten Hasen auf der Bühne zu zeigen hat sich ausgezahlt.
Auch seine weibliche Gegenspielerin Sabrina lief wieder zu ihrer Höchstform auf. Erst noch ein heißer Kuss vom Freund, und im nächsten Moment ließ sie sich am Arm ihres heimlichen Verehrers hinausbegleiten. Souverän steckte sie die Männerwelt in die Tasche. Wie sie das wohl im wirklichen Leben so hinbekommt?
Die gute Seele im Bürgermeisteramt war unsere Heidi. Stets mit Staubwedel bewaffnet, immer einsatzbereit war sie für alle Lebenslagen gerüstet. Da brachte sie keine Kündigung aus dem Konzept, und auch mit der schreienden Nicole wurde sie spielend fertig. Nur bei der echten Landrätin kam sie ein wenig ins Stocken.
Diese hatte aber auch ein überlegenes Auftreten. Ja, Sabine, damit hast du deiner Namensvetterin alle Ehre gemacht, Frau Pauli hätte das „Winken“ auch nicht besser hinbekommen. Wir hatten riesigen Spaß dabei, als du uns den Kauf deiner Handschuhe geschildert hast und dann auch noch eine Rechnung dafür wolltest. Auch dein Einsatz beim Faschingszug soll hier erwähnt sein, denn wer weiß, ob wir dieses Jahr mitgegangen wären, wenn du das nicht so vehement vorangetrieben und mit organisiert hättest.
Schwippl Schorsch nun bist du dran, ach nein, aus ihm wurde doch die Bagger Bärbel. Ja, das hat unsere Kathrin sehr gut hinbekommen. Mit Latzhose, Gummistiefel, Helm und einer Flasche Bier bewaffnet, voller Dreck und batschert nass, so kam sie jedes Mal für ihren kurzen Einsatz auf die Bühne. Trotz ihrer eigentlich männlichen Rolle nahm ihre Vorbereitung sehr viel Zeit in Anspruch und Kathrin hat dafür einen guten Grund: Ich spiele nur deshalb mit Theater, weil ich mich dann immer schminken kann. Ohne Schminke spiel ich nicht! O. K. Kathrin, das ist kein Problem, den Spaß gönnen wir dir.
Getreu dem Spruch unserer Politiker: nach der Wahl ist vor der Wahl,
gilt auch für uns: nach dem Theater ist vor dem Theater.
Ein dreifaches „Vorhang auf“ auf unser 10-jähriges im nächsten Jahr.
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