2007

Die G´schichte von derer G´schicht


Der entführte Selbstmordeinbruch





Waren zunächst bei der Generalversammlung am 25. November 2006 noch die Stücke „Frühreif“ und „Immer dieser Vollmond“ im Gespräch, hat sich das Blatt dann doch ganz schnell dem Stück „Der entführten Selbstmordeinbruch“ zugewandt.

Doch Tom war unermüdlich und quälte sich nach 20 Theaterheften auch noch durch das 21. und stellte fest: „des is´s, des spüln mir heier!“

Und so kam es dann auch. Am 7. Januar war die erste Leseprobe und nach 23 mehr oder weniger (eher mehr als weniger) harten Proben war dann auch am 24. März die Premiere. Mit 101 Personen ein voller Saal, mit einem hervorragendem Publikum, wobei man den besonderen Einsatz einer Gruppe der Lebenshilfe besonders erwähnen sollte.

Die Proben verliefen heuer etwas problematisch. Nur bei 11 Proben (also etwa der Hälfte) konnten alle Spieler anwesend sein. Auch das Regisseur-Duo aus Georg und Tom war dann eher ein Einzel denn ein Doppel, wobei sich Georg trotz 4fach-Belastung (Arbeitnehmer, Bauherr, Vater und Regisseur) wacker geschlagen hat. Geschlagen hat er manchmal schon auf den Tisch mit einer Rolle, die er als Requisite selbst mitgebracht hat, doch hat es weniger oft etwas genützt. Denn wie (fast) jedes Mal taten die Spieler was sie wollten.

Ja, der Georg hatte es heuer nicht einfach mit uns allen, selten kam er zu Wort, und auch dann durfte er noch seltener zu Ende reden.

Sorry Georg, für die vielen Kopfschmerzen, die wir dir verursacht haben, trotzdem wollen wir dich im nächsten Jahr wieder haben.


Doch nun zum Inhalt:

Der Titel, „Der entführte Selbstmordeinbruch“ sagt ja viel und doch nichts aus. Fest steht jedoch, daß es zwei Entführungen gab, einen Selbstmord und einen Einbruch. So gesehen, ergibt der Titel wieder Sinn.

Mit den Entführungen hatte der liebe Joe (Markus Schmeißner) seine Mühe.

Was bei den Proben und auch bei der Premiere so glatt verlief war dann bei der zweiten Aufführung am Samstag den 31. März nicht mehr ganz so einfach. Bei Gittl, dem ersten Entführungsopfer, klappte alles noch wunderbar, erst bei Kathrin´s war es dann nicht mehr so einfach. Wie bei Goethe´s Faust „halb zog sie ihn, halb sank er hin“ war es ein unglückliches Zusammenspiel von

Ins-Rutschen-kommen und Nicht-mehr-halten-können, doch das Ergebnis war fatal. Kathrin knallte hörbar mit dem Hinterkopf auf den Bühnenboden.

Sogleich stellten sich starke Kopfschmerzen ein, und erst in der Nacht zum Sonntag kamen dann die üblichen Merkmale einer Gehirnerschütterung dazu.

Wer die Geschichte der abenteuerlichen Krankenhausfahrt genauer erfahren möchte, soll sie sich von Christine oder Kathrin selbst erzählen lassen. Hier nur so viel: als der Arzt in der Notaufnahme ins Behandlungszimmer kam wusste er nicht so genau, wer von beiden nun die Patientin ist.

Nach langen Untersuchungen und einer Computertomographie stellte der Arzt gegen 14.00 Uhr fest, daß in Kathrins Kopf nichts ist, sie aber trotzdem 48 Stunden zur Beobachtung bleiben muß.

Panik bricht unter allen Beteiligten aus, denn am Abend war eine weitere Vorstellung und die weibliche Ersatzfrau (also Gabi) stellte sich gerade die größte Lachnummer in ihrer Theaterkarriere vor. Doch Georg fand ein anderes williges Opfer: Sabrina Englhard.

Wahrscheinlich war sie noch nicht ganz wach, denn an diesem Sonntag war bei ihr nichts anderes angesagt, als auf der Couch lümmeln. Und so kann es nur sein, daß sie bei Georgs Anruf zunächst dachte: „Das ist ein Aprilscherz!“ und deshalb nicht weiter darüber nachdachte. Als aber unser Regisseur ihr das Heft brachte und erklärte, welche Rolle sie in ca. 5 Stunden spielen sollte, war ihr wahrscheinlich bewusst geworden, was sie spontan zugesagt hatte.

Eine Sonderprobe ab 16.30 Uhr beim Rouherer mit allen anderen Spielern brachte es schon ans Licht, was dann am Abend vollends sichtbar wurde: Sabrina hatte ein super Kurzzeitgedächtnis und hat sich trotz Behinderung am Bein hervorragend in die Rolle eingebracht.

Georgs Kommentar: „Wenn alle ihren Text so gut lernen würden wie Sabrina, dann brauchen wir in Zukunft nur noch eine Probe und machen dann mit der Premiere weiter“.

Herzlichen Dank an Sabrina für ihr beherztes Einspringen. Das war super!!!

Beim nächsten Mal wissen wir dann ja gleich, wen wir anrufen müssen.

Kathrin war dann zum Glück für die weiteren Aufführungen wieder einigermaßen hergestellt. Obwohl ausgemacht war, daß sie nicht mehr wie sonst über die Schulter geworfen werden sollte, sondern nur hinausgezerrt, hat sie bei der letzten Aufführung mit Markus ausgemacht, daß es wieder so läuft wie vorher geprobt. Ihre weiterhin starken Kopfschmerzen verschwieg sie uns zunächst, da sie die Truppe nicht im Stich lassen wollte.

Liebe Kathrin, hoffentlich ist nun wieder alles in Ordnung, und du wirst von weiteren Kopfschmerzen verschont. Danke für deinen vollen Körper-Einsatz.

Nun ist der Markus, den wir doch ganz gerne in sächsisch gehört hätten, wie anfangs geplant, von den Frauen ganz in den Hintergrund gedrückt worden, dabei hatte er doch eine Tragende Rolle. Denn auch Gittl wurde jedes Mal von ihm hinausgetragen. Da er stets beide Erpresserbriefe (rot und blau) bei sich hatte, musste er darauf achten, immer die richtige Farbe zu erwischen. Als der Brief einmal den Bühnenboden verfehlte und dabei auf den Saalboden viel, war zum Glück Ulla bei der Hand, die den Brief zunächst auf den Bühnenboden und nach kurzem Zögern sogar noch auf den Tisch legte.

Die Zuschauer bedankten die kurze Einlage mit Beifall.

Ja, Gittl hielt sich stets so gut an ihrem Entführer fest, daß einmal sogar der Knopf seines Sakkos verloren ging. Der Schnittlauch-Witz kam manchmal bei den Leuten nicht so an, dafür war die Herztransplantation, die dann zur Herzverpflanzung mutierte wieder ein voller Erfolg. Mit Erstaunen vollzog sie jedes Mal den Wandel von der keifenden Furie zur hingebungsvollen Gespielin. Sogar die Spielerkollegen verblüffte sie mit ihrem Wechselspiel.

Ihr Gegenspieler konnte allerdings genauso gut umschalten, Willi der geborene Charmeur ging voll in der Rolle auf. Als Retter in der Not mit der Blitzidee die Firma zu retten, musste er dann auch Gittl aus der Hand des Entführers retten und diese dankte ihm dies mit einer schallenden Watsch´n. Interessant war auch, mit welcher Hingabe Wille jedes Mal wieder sich dem Ring Stadtwurst widmen konnte. Auch die Passage des volltrunkenen Poliers mimte er hervorragend, wobei sein Kompagnon dies nicht weniger gut meisterte.

Noch vollständig bekleidet betrat Franz stets polternd die Bühne. Bei den letzten Aufführungen musste der Eimer schon ausgebeult werden. Dann aber entwickelte sich seine Rolle zum reinsten Kostümball: als nächstes kam er in Boxershorts, Pampers-Karton, Federn in den Haaren und Stricksocken an den Beinen, dann ein paar gelbe Frauenkleider mit rosa Schürze, silbernen Pantoffeln und Perücke und zum Schluß wieder ganz normal wie zu Anfang. Einmal war er etwas zu ungestüm hinter seinem unverschämten Lehrbub her, daß er in der Kurve die Kontrolle verlor und mit Pampers-Karton zu Boden ging, aber ohne Karton wieder aufstand. Huch, was war da passiert? Zum Glück war die Ersatzschachtel nicht weit. Gewatscht wurde heuer viel, und so kam auch Franz nicht aus.

Ganz zum Schluß bekam er noch eine geklebt und zwar von seiner Spiel-Frau Heidi. Dieser war das schon peinlich, doch da half alles nichts. Voll durchziehen sagte Georg nur zu diesem Thema und so hatten weder Franz noch Heidi eine Chance. Nicht nur die Szene war Heidi unangenehm, graute schon jedes Mal davor, wenn Willi über ihre Haare strich, und da er genau wusste, daß sie das nicht so gerne hat, strich er öfter über ihre Haare als notwendig. Und dann ging da auch noch das Gerücht um, sie hätte die Nacht mit dem Lehrbuben verbracht.

Lehrbub? oder Schweini, so wie er nur noch nach der Frisur genannt wurde. Stephan war die ideale Besetzung für diese Rolle. Manche meinten sogar, wir hätten ihn auf dem Foto im Theaterheft älter aussehen lassen, denn er könnte höchstens 21 sein. Geduldig ließ er sich von Georg von Probe zu Probe jünger machen, veränderte seine Stimme und rasierte sogar seinen Schnauzer ab. Ja, das war echt spitze von Stephan, wie er sich von den Frauen so traktieren ließ, zuerst erhielt er von Heidi eine Ohrfeige, dann von Gittl mit der Rolle eine auf den Rücken, Kathrin hat ihn manchmal mit ihren spitzigen Schuhen getreten, und später dann auch noch zwei Ohrfeigen gegeben. Stephan hat das aber geduldig ertragen, als ob es alltäglich für ihn wäre. Nur beim Bussl´n hat er sich vor der Ohrfeige gedruckt.

Die hat dann prompt der Norbert erhalten. Mit nur zwei Ohrfeigen von Christine und Kathrin kam er schon etwas glimpflicher davon, aber bei ihm hatten die zwei echten dafür eine fatale Wirkung. Das eine Mal war er nur etwas gerötet im Gesicht, das nächste Mal war dann schon eine Schwellung zu sehen. Doch Mitleid hat er selten bekommen, dafür hat er sich dann mit einem Kuß bei Christine revanchiert.

Ja Norbert, wer soll denn nun dein Herzblatt sein: Christine, der du einen Kuß gegeben hast oder Kathrin, der du sogar das Auto angefahren hast, um sie kennen zu lernen, oder vielleicht doch lieber deine Annemarie, der du mit dem Ja-Wort gezeigt hast, daß du ja nur sie alleine haben willst? Nun musst du dich nicht mehr entscheiden.

An Christine ist nicht so leicht heranzukommen, das hat auch der Tommi feststellen müssen, dem sie weder Familienname noch Telefonnummer preisgegeben hat. Korrekt in Auftreten und Sprache nahm man ihr die Versicherungsfachwirtin sofort ab. Ihr Herz konnte jedoch nur einer erweichen, dem hielt sie die Hand und auch den Kopf denn auf diesen hatte er einen schweren Schlag erhalten.

Matthias als Polizist Dimpfl war stets eine Lachnummer sobald er die Bühne betrat. Dabei hatte er es gar nicht so einfach, musste er doch sein Temperament zügeln und sehr l a n g s a m u n d b e d ä c h t i g sprechen. Auch die etwas zu kurze Hose, sein manchmal leicht verwirrter Blick und natürlich sein Lachen hatten die Zuschauer im Sturm erobert.

Gut gelang ihm der Spagat vom dümmlichen Dorfpolizist zum schlauen Columbo-Double, als der er dann auch die Verhaftungen vornahm, und allen ein Geständnis empfahl. Seine vorgeschlagene Fahrt zum Wellnessen wird er wohl auf dem Dienstweg nicht erhalten, wenn er aber seine neu erworbene Schläue einsetzt, wird er sicherlich auf die Idee kommen, seiner Frau einen Gutschein zum Wellnessen für zwei Personen schenken, und dafür sorgen, daß keine ihrer Freundinnen zu diesem Termin Zeit hat.

Für die Ausstattung gönnten wir uns heuer eine neue Vorhangschiene, die Beleuchtung kommt vielleicht nächstes Jahr dran,.

Mit insgesamt 757 Zuschauern in dieser Saison hatten wir wieder eine Menge Spaß miteinander und freuen uns schon auf nächstes Jahr.