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Eigentlich hieß „Der Entenkrieg“ ursprünglich ja „Der Entenkrieg von Entenhausen“!
Und auch der Schluß war etwas anders geplant, als er dann doch ausgefallen ist, aber das ist ja nichts neues, daß in Süß beim Theater immer am Text herumgebastelt wird.
Aber das Ergebnis konnte sich dann, wie jedes Jahr, sehen lassen:
Tropfnaß und mit schlechter Laune betrat Tom Fenk jedesmal die Bühne, doch die gewünschte Begeisterung der Theaterbesucher blieb fast jedesmal aus. Wahrscheinlich hatten sie sich noch nicht warmgelacht, oder konnten einfach nicht glauben, was sie da sahen. Doch nach einem Freud´schen Fehler: Glaubst du, daß ich die Schandl bschüdlt hob?, konnte sich keiner mehr halten. Auch wenn Tom zuerst gar nicht mitbekommen hatte, was er da gesagt hat, und somit auch nicht wußte, warum die Zuschauer so lachten. Bestens angekommen ist im dritten Akt allerdings sein ‚blaues Auge’. So manch einer wird mit ihm gefühlt haben, und bei sich gedacht haben, das muß ja ganz schön weh-tun.
Seine geduldige und alles unter Kontrolle habende Frau Heidi Gäde bügelte während dieser Theatersaison erstaunliche Mengen, obwohl sie doch laut Aussage ihres Mannes davon eigentlich gar keine so große Ahnung hat, da ja er zuhause diese Dinge erledigt. Ihre besonderen Qualitäten zeigte sie jedoch beim Kaffeekochen. Die von ihr bereits zu den Proben mitgebrachte Thermoskanne mit Karo-Kaffee war schneller gelehrt, als ihr lieb war, und manchmal mußte sie das letzte Tröpfchen für den dritten Akt noch retten, bevor einer der Gierigen (wir möchten niemand im besonderen Erwähnen!) sich auch noch den Rest in die Tasse eingoß. Doch kam sie genau im richtigen Augenblick mit einem Bier für den armen Xaver herein, das auch dann jedesmal überlief.
Und somit für den unterdrückten, etwas zurückgebliebenen Xaver die beste Gelegenheit bot, seiner Frau Irma eins auszuwischen, indem er trotz seines Schwurs auf Alkoholverzicht, das großzügig verschüttete Bier mit verzückten Augen genoß. Mit einem herzhaften „Xaver aus!“ hatte Gittl jedesmal den Lacher auf ihrer Seite, hatte sie doch die schwierige Aufgabe, jeden Alkohol von Willi fernzuhalten. Auch wenn das hieß, sich selbst zu opfern und den letzten Rest aus der Flasche zu trinken. Was auch nicht unbemerkt blieb, denn so manches mal konnte man aus dem Publikum vernehmen: „Schau, die trinkt des jetzt selber!“ Das mit dem Bierverschütten hatte Willi gut drauf, er hatte so lang geprobt, die Flasche mit den Knien aufzufangen, daß ihm das bei jeder Aufführung gelang. Neidisch waren alle, wenn Willi die Ente verdruckte, und zwar komplett! Die meisten Zuschauer konnten sich schon gar nicht mehr auf den Dialog der anderen Spieler konzentrieren, wenn Willi die Ente in die Hand nahm und anfing die Knochen abzuzausen. Zwei Zuschauer hatte er so glustig gemacht, daß sie doch glatt einen Schnaps gegen einen Entenschenkel tauschen wollten. Doch Willi nahm zwar den Schnaps an, verteilte aber nur Knochen. Ein Lacherfolg waren auch jedesmal die drei Brustwickel, die er Gittl verpassen wollte, nachdem sie sich, von ihrer perfekt in Szene gesetzten Schläfrigkeit erholt hatte. Auch die kurze Kampfszene mit Kathrin kam jedesmal gut an, stellenweise hörte man sogar Anfeuerungsrufe aus dem Publikum.
Ja, die streitlustige Dorfratsch´n Spohie hat mit ihrer Wandlungsfähigkeit alle und vor allem sich selbst überrascht. Zunächst nicht für die Rolle vorgesehen, war sie etwas skeptisch, den Anforderungen zu genügen. Diese Zweifel stellten sich als unnütz heraus, denn Sophie Suttner war mit Kathrin hervorragend besetzt. Schon lang gab es in Süß nicht mehr so viel zu erzählen, behauptete sie, aber in windeseile hatte sie die Neuigkeiten verbreitet, nur einige Bürger wollte sie nicht befragen. Wie zum Beispiel den Erras Franz, Schiberl Rudi, Schuster Bebbo usw. denn die würden ja immer nur das eine antworten: Wo is was zum daschiaßen? Nach dem vermeindlichen Schuß aus dem Regenschirm riß sie ihre Augen auf und zitterte so sehr, daß Heidi schon Angst hatte, sie würde vom Stuhl fallen. Bei der letzten Aufführung war dann auch sie überrascht, als ein heimlicher Verehrer ein Plakat aufhängte mit der Aufschrift: „Sophie, ich will ein Kind von dir!“ Die Suche nach einem Tatverdächtigen ist noch voll im Gange.
Einen sportlichen Eindruck hinterließ auch der Ringrichter Udo Schröder. Mit der Fliege und den gestylten Haaren wirkte Christian absolut Überzeugend. Auch wenn ihm schlagartig entfallen war, in welcher Beziehung er bald zum Bürgermeister stehen wollte. (Ich bin doch schon bald ihr Schwiegersohn) Sabrina sprang aber sogleich ein, und vollendete den Satz für ihn. So, wie es vielen Paaren geht, wenn sie schon längere Zeit zusammen sind, der eine fängt den Satz an, und der andere beendet ihn. Mit dem Turteln hatten sich die beiden ja viel Zeit gelassen, denn bei den Proben war davon noch nichts zu sehen. Aber wie im echten Leben, wenn’s drauf ankommt, dann klappt es doch.
Mit österlichem Gruß schritt Pfarrer Josef Wenzel in seinem Gewand jedesmal auf die Bühne, und überzeugte die Zuschauer, und bald auch sich selbst von seiner ‚Hochwürdigen’ Person. Matthias ist in diese Rolle sehr gut hineingewachsen, denn kaum hatte er sich das Gewand übergezogen und seinen Hut aufgesetzt, war er ein anderer Mensch. Umgekehrt funktionierte das aber genauso. Im dritten Akt, als er aus Gewand und Hut geschlüpft war, verlor er seine würdige Haltung, und war wieder ganz der alte Matthias.
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