2005

Die G´schichte von derer G´schicht


Lenz, wo bleibst denn?




Zum erstenmal in der Geschichte der Theaterfreunde Süß fiel die Entscheidung über das Stück und die Spieler bereits im Dezember des Vorjahres.

Am Tag vor Silvester machte Vorstand Tom Fenk mehrere Male den gleichen Anruf:

„Wai schaudsn aas, machsd du a wieda mid beim Theada? Ja, guad, iwamoang dain ma am Frohnberg im Bischhöfstübal as erschde Mal lesn. Ja, i wois scho a, das dou Neijoa is, owa du moust de doch nia allerwei zammrichdn dasd am nächsdn Dooch nigs taugsd!“

Und so war es dann auch. Mit versammelter Mannschaft haben wir dann am 1.1.2005 die erste Leseprobe gehalten. Und wie immer waren Kritiker dabei, die das Stück für nicht so ideal gefunden haben.

„Mous denn schou wieda so wos zum Noudenka sa, wourum kinna mir niad a wos Lustigs spüln, wou d’Leid a lacha kinna, weil des mieng dai doch laiba.“

Doch unser Vorstand machte da wie immer kurzen Prozeß, wehrte alle Gegner ab und meinte nur:

„Schluß. as, basta, des wird aidza gspüld und wem’s niad passd, der brauch ja niad midmacha. Wer niad wül, der solls glei soong, dann main ma hald an anern soucha.“ Es machten dann aber alle mit.

Ja soch amal, wer soll noju heia aschaffa, wou da Mäfju doch mit seine Kina dahamhogd und niad kummd, ha“, hieß es dann.

Das war aber schon lange entschieden, denn Georg Ritter hat sich bereiterklärt die Regie zu übernehmen. Er meinte mit ihm selbst vor und der Unterstützung vom Tom auf der Bühne würden sie das schon hinbekommen. Und recht hat er gehabt. In seiner ruhigen und doch zum entscheidenden Zeitpunkt energischen Art hatte er die Akteure voll im Griff. Obwohl es für ihn nicht immer leicht war, da er selbst ein sehr guter Spieler ist, diesmal auf der anderen Seite des Vorhangs zu stehen.

Zwei Tage später ging es dann schon los mit der ersten von insgesamt 24 Proben.

Der Anfang mit der Brillenszene, die zunächst bei den Proben gar nicht so lustig aussah, fand dann doch die volle Zustimmung der Zuschauer. Einige meinten sogar: „Wai bei uns daham!“ Man muß aber auch sagen, daß die beiden, Gittl und Tom, die Sache sehr überzeugend rübergebracht haben.

Überhaupt war es für Gittl nicht sehr einfach, dann im weiteren Verlauf die verzweifelte Ehefrau zu mimen, wo ihr doch sonst immer ein Lächeln auf den Lippen liegt. Dennoch brachte sie diese Niedergeschlagenheit gepaart mit fast zu Tränen rührendem Gesichtsausdruck hervorragend rüber. Da kann man nur sagen, Hut ab, vor dieser Leistung. Auch der Schmatz auf das Bild von ihrem Lenz hinterließ einen bleibenden Eindruck, oder war es ein Abdruck?

Fast meinten wir schon, kurzfristigen einen Ersatz suchen zu müssen, da wir befürchteten, sie hätte sich bei einem unglücklichen Sturz schwer verletzt. Doch einen echten Profi kann so etwas nicht aufhalten. Da heißt es Augen zu und durch.

Ihrem Ehemann wurde es aber auch nicht leicht gemacht, als Wanderer zwischen den beiden Welten aufzutreten, war er im zweiten und dritten Akt fast ununterbrochen auf der Bühne. Durch sein weiß geschminktes Gesicht traten die inzwischen vom Rauch rot geränderten Augen um so deutlicher hervor, und es war immer wieder überraschend, wie gut die Wirkung durch dieses Kleinigkeit auf das Publikum war. Einmal hat er sich scheinbar bei dem Gang in die Zwischenwelt gewehrt, denn ein Ohr blieb noch allzu lebendig. Sein schauspielerisches Talent wurde voll ausgeschöpft, mußte er doch teilweise Selbstgespräche führen, und dabei hätte doch so gerne in das Geschehen eingegriffen, doch wurde ihm das von „Der Stimme“ strengstens untersagt.

Die teilweise „erotisch“ klingende Stimme verfehlte ihre Wirkung bei keiner Aufführung. Der unsichtbare Walter mit der elektronisch erzeugten leicht nachhallenden Stimme war sehr effektvoll. Obwohl unsichtbar, war er doch jedesmal sehr aufgeregt. Kaum mit seinem Headset bewaffnet verflog die Nervosität und es ging ihm scheinbar besser, darum legte er es nur selten ab. Auch die Schminke mußte sein, denn er wollte schließlich bei der Verbeugung nicht durch seine blasse Gesichtsfarbe hervorstechen. Doch die aufmerksamen Zuschauer bemerkten trotzdem den kleinen Unterschied: die Lippen waren nicht geschminkt.

Man kann nur hoffen, daß Walter durch diesen Erfolg nicht zum Überflieger wird, und mit seinem vermeintlichen Heiligenschein auf Wolke # 7 davonschwebt.

Bei der Auswahl der Spieler sind ja verschiedene Kriterien entscheidend, aber die wichtigste Frage ist doch, paßt die Rolle zur Person?

Ja, das muß man im Falle von Christine eindeutig sagen. Obwohl sie selbst zunächst skeptisch war, mußte sie doch im Verlaufe der Proben zugeben, daß die Rolle wie geschaffen für sie war. Endlich konnte sie ihre bis dahin verborgene wahre Seite offen zeigen, und war so eine große Überraschung für alle. Daß sie wegen ihrer Nervosität vor den Aufführungen nichts Essen konnte, und das dann bei der Kuchenszene nachholte, sei ihr verziehen. Sie hatte offensichtlich großen Hunger gelitten, denn kaum fiel der Vorhang, holte sie sich noch ein Käsebrot. Mit ihrer Ausstattung war sie zunächst nicht zufrieden, doch da stellte sie der Regisseur vor die Wahl: Hut oder Warze. Da mußte sie doch lange überlegen und tendierte doch fast zur Verunstaltung, hätte da nicht Walter ein Machtwort gesprochen: „Nur mit Hut ist gut!“ Und schon war die Sache entschieden.

Und täglich grüßt das Murmeltier, oder war es die Wäsche, die scheinbar nie ein Ende nahm? Sehr geduldig nahm Sabrina jedesmal die Wäsche wieder mit, um sie dann später zu erledigen. Überhaupt nahm sie fast alles hin, was man ihr so sagte. Nur bei dem erotischeren Nachthemd erhob sie Einwand. Geduldig brachte sie jedesmal den Kaffee oder das verlangte Bier, auch wenn es ihrem Freund Bertl offensichtlich nicht so ganz schmeckte, denn er spuckte die Hälfte wieder aus, als sie nach konkreten Heiratsterminen fragte. Kurz vorher hatte es aber noch den Anschein, als ob dieser Zeremonie nichts mehr im Wege stand, denn bei der Begrüßung gab es einen gut zu hörenden Kuß.

Zweifel herrschten nur darüber, wer bei wem „angedockt“ ist.

Freund Norbert brachte den Wechsel zwischen scheinbar liebendem Gspusi und hinterhältigem Gauner geschickt zustande. Nur einen konnte er nicht täuschen. Sein Schwiegervater in Spee konnte ihn ja noch nie leiden und brachte ihn dann auch zu Fall. Apropos Fall, fällt ihm da doch glatt ein Teil der Beute aus dem Rucksack. Der unersättlich scheinende Norbert hatte ja gleich zwei Freundinnen: eine auf der Bühne, die ihm das Bier bringt, und eine die ihn schminkt. Na ja Norbert, das will gut geplant sein, denn treu sind sie dir offensichtlich beide. Die Hanni fragt dich jedesmal wieder nach dem Hochzeitstermin, und die Annemarie war ja schon bei den Proben dein größter Fan, und kommt immer noch zu jeder Aufführung.

Also nun mußt du dich entscheiden, wer soll dein Herzblatt sein?

Da wir gerade von Herzblatt reden, da gibt es scheinbar noch eine Liebe die schon seit 30 Jahren anhält. Doch diese Verbindung sollte scheinbar nicht zustande kommen. Matthias Erdinger gespielt von Christian ist nun ein Beamter, wenn auch nur ein ganz kleiner. Und beamtenlike hat er in seinen Unterlagen alles ganz genau festgehalten. Die unermüdlichen Proben haben auch bei ihm ihre Wirkung nicht verfehlt, und so konnte er bei jeder Aufführung nicht nur den Text, sondern auch die Betonung. Und aus dem Fehler wurde dann kein Fehler.

Ihm wurde dann auch eine Urkunde überreicht für seinen dauerhaften Einsatz als „ganz kloana“ Beamter.

Schwierig war auch die Rolle des großspurigen Ambros, der dann, einmal enttarnt, ganz kleinlaut wurde. Doch Markus, genannt auch Fonse, überzeugte ganz in dieser Rolle. Wenn auch bei den Proben noch etwas zaghaft, man hatte manchmal den Eindruck er schaffe das doch nicht ganz, überraschte er, allen voran den Regisseur, mit seiner hervorragenden Leistung.

Wie oft hatten wir den ersten Auftritt geübt, Gittl hatte schon Kopfweh, da sie immer in den Sessel fallen mußte. Unzählige male wurde auch die Szene mit dem „Ah“ und der dazugehörigen Handbewegung geprobt, und manch einer war skeptisch, ob das noch was wird. Doch Fonse hat es uns allen gezeigt.

Mit Bravour hat er alle Szenen gemeistert und nicht eine Textunsicherheit gehabt. Dies ist auch der Grund für seine Auszeichnung mit dem diesjährigen Theaterpreis.

Auch die Zuschauer sollten dieses Jahr zu Gehör kommen.

Mit unserer Umfrage über das Theaterstück, die Schauspielerische Leistung sowie die Bewirtung kamen die Zuschauer zum Zug. Die Auswertung dieser Angaben war zwar sehr interessant, aber das Beste waren doch die diversen Bemerkungen, die am Ende noch notiert werden konnten.

Um nur einige zu nennen:

Schauspieler bitte vor ihrem Auftritt mit Nahrungsmittel versorgen.

In den Dialogen mehr nach Punkt und Komma sprechen. Und in manchen Passagen etwas langsamer und bedächtiger sprechen.

Tom wir lieben dich.

Möchte auch mal so ein Halbgeist sein.

Kartenreservierung für 2006.

BH der Wirtin unpassend.

Hellerer BH für Theres

Kauft ein neues Nachthemd für Hanni.

Wo ist Wimmerl?

Brigitte for Präsident.

Christine ich liebe dich P. D.

Rote Lippen für Walter.

Super Lösung mit der Raucherei.

Nächstes Jahr wieder was zum Lachen.

Beim Peter Steiner haben wir besser gelacht.

Immer wieder toll der Mut der Schauspieler.

Macht weiter so, daß die Leut was zum Denken und Reden haben.

Der Ersatzregisseur hat seine Sache gut gemacht.

Ihr seid Fernsehreif! SPITZE! Weiter so.

Frei nach Hans Rosenthal „Ihr seid Spitze“