2004

Die G´schichte von derer G´schicht


Vorsicht d' Hundt




Mitte Januar ging es los, die erste Leseprobe beim Rouherer.

Fünf Damen und fünf Herren, davon zwei Neulinge und ein Widereinsteiger, und das, wie fast immer, im eisigen Nebenzimmer. Na dann los.

Und los ging es gleich nach den ersten fünf Minuten:

„Was Leseprobe! Und ich habe keine Brille dabei!“, hallte es aus Heidis Mund, und dabei hatte sie doch einiges zu lesen, denn ihre Rolle war mit 135 Einsätzen die Umfangreichste.

Aber, mit etwas gutem Willen ging auch das. Und guten Willen hatte sie genügend, mußte sie doch ihren Dienstplan für die nächsten Wochen umschmeißen.

Und gleich bei der nächsten Probe passierte dann dem Herrn Pfarrer (Stephan Sertl) ein Ausrutscher. Er hatte bei seinem Hund Petrus bereits mit einem kleinen „Pfiff“ dem Hundetrieb einen Riegel vorgeschoben. Doch auch ein Herr Pfarrer mußte einsehen, daß bei all seinen guten Beziehungen nach oben auch bei seinem „Petrus“ dazu ein kleiner „Schnipp“ vonnöten war.

Die insgesamt lustigen Proben verliefen sehr diszipliniert, so daß unser Regisseur Matthias Ströhl meist zufrieden war. Auch wenn es bei einzelnen Darstellern immer wieder darum ging, wie man die spielerische Leistung mit entsprechenden „Kleinigkeiten“ noch unterstreichen kann.

So wurde zum Beispiel die Glatze für den Metzgermeister Semmel (Christian Lindner) geboren. Welche dann auch an jedem Spielabend für einen Garantielacher sorgte, sowohl vor als auch während der Aufführung.

Gleich bei der ersten Anprobe platzten zwei Glatzen und auch beim Entfernen mußten leider immer wieder ein paar Härchen mit dran glauben.

Die ganze Geschichte handelt in erster Linie vom besten Freund zumindest einiger Menschen, bzw. der Hinterlassenschaft dieser Tiere, sei es in fester als auch in flüssiger Form, sowie ihrer Bißfreudigkeit.

Zwei Leidgeplagte fordern sichere Arbeitswege für Postbote und Kaminkehrer, und versuchen dies auch mit allen Mitteln durchzusetzen. Bei diesen Mitteln waren die beiden nicht sehr wählerisch, mußten sie doch mit dem Vorlieb nehmen, was greifbar war.

So zeigte zu Beispiel der Postbote Edgar Eilig (Matthias Lindner) vollen Körpereinsatz und zögerte nicht, auch die Regionen der Anatomie freizulegen, die normalerweise besser bedeckt blieben. Wenig später mußte er sich dann auch noch um seinen guten Ruf Sorgen machen, als ihm seine zukünftige Schwiegermutter Barbara Schwarz (Helga Sichelstiel) nicht gerade zärtlich zuleibe rückte, als sie ihn verarzten wollte. Doch sein Komplize Rainer Schwarz (Thomas Fenk) erkennt schnell seine Notlage, greift ein, und rettet Edgar vor der Entdeckung.

Der Kaminkehrer hat da schon auf fremde Hilfe zurückgegriffen. Mit einem speziellen Spray „Duftmarke läufige Hündin“ will er alle Hundeliebhaber besprühen, damit sie am eigenen Leibe die Tierliebe spüren sollen. Auch mit ganz simplen Mitteln will er den Viechern zuleibe rücken. Ein mit Rizinusöl präpariertes Stück Fleisch, wird ausgelegt, und soll den Tierchen zum Verhängnis werden. Doch weit gefehlt, denn er ist der Einzige, dem es dann letztendlich zum Verhängnis wird.

Als dann durch die Tierärztin Frau Heil (Corina Tietz) auch noch bekannt wird, daß es im Hause Schwarz einen „Neuen“ gibt, der aufs Wort gehorcht und ab und zu mit seinem Stummelschwänzchen wedelt, brennen bei Edgar die Sicherungen durch.

Kurzfristigen Erfolg erzielt er mit der von ihm montierten „Hund lauf dich tot Katze“. Mit kindlichem Gemüt eifern die beiden Attentäter um die Fernsteuerung. In der Hitze des Gefechts geht dabei so manches Glas zu Bruch. Oh, Schreck, was war das? Aufgeregte Stimmen hinter der Bühne, denn man hörte nur das Klirren der Scherben, nicht aber die Ursache oder die Auswirkungen. Doch was ein geübter Spieler ist, meistert die Sachlage souverän, tut als ob nichts wäre, und so macht Tom einfach weiter im Text.

Richtig Erschrocken über die rasende Katze sind die beiden Tierliebhaber, Frau Heil und der Herr Pfarrer (Stephan Sertl). Übereinander gefallen, können sich nur mit Mühe aufrappeln und schreiten sofort zur Aufklärung. Sogleich meinen sie, in Oma Specht (Heidi Gäde) den Täter gefunden zu haben. Doch schnell stellt sich heraus, daß diese nur eins im Sinn hat, und zwar will sie pünktlich zu ihrem Date mit dem feschen Hirschmann Erwin.

Das nächste Attentat mit dem unter Hochspannung stehenden Gartenzaun erweist sich auch als Reinfall. Trifft es doch zwei leicht angeheiterte Wirtshausgänger, die sich auf dem Nachhauseweg etwas Erleichterung verschaffen wollen. Zu den Risiken und Nebenwirkungen konnten sie weder Arzt noch Apotheker fragen, doch die Auswirkungen waren zumindest dem Metzger in seiner Notlage sehr willkommen. Durch den Ausfall seines Schußapparates konnte er nun selbst Hand anlegen, so daß der Schlachttag doch noch gerettet wurde.

Bei dem zweiten Opfer, dem Herrn Gerhard Rat, stellvertretender Gemeinderat von Irlbach (Georg Ritter), sah die Sache schon etwas anders aus. Mit seiner magnetisierten Wirkung nicht so ganz zufrieden, da er alles an sich zog, konnte er doch nicht umhin, die guten Seiten einer Bärenmilchdose am rechten Fleck zu erkennen.

Denn seine angebetete Elvira Wein, die Tierpflegerin (Sabine Weich) erlag seiner Ausstrahlung voll und ganz. Ganz besonders der Vergleich mit einer Hengstenberg Sauerkrautbüchsen muß ihr wohl die Augen geöffnet haben, sodaß sie seine besonderen Qualitäten erkennen konnte.

Als Beraterin in Herzensangelegenheiten mußte sie auch noch fungieren um ihren Cousin mit seiner Freundin wieder zusammenzubringen.

Hatte doch die Kaminkehrertochter Heidi Schwarz (Sabrina Englhard) sie in Verdacht, mit ihrem Packerlschlepper ein Techtelmechtel zu haben. Und da Heidi auch noch einen Hund ins Haus brachte, und der Edgar doch ein Hundegegner war, und sie so auf gegnerischen Seiten standen hatten es die beiden schwer, in dem Durcheinander wieder zueinander zu finden.

Heidi mußte auch ihre Mutter Barbara Schwarz (Helga Sichelstiel) trösten. Diese hatte sich auf die Seite ihrer Tochter geschlagen, und sich damit automatisch gegen ihren Ehemann entschieden. Dieser dankte ihr die gemeinsam verbrachten Ehejahre mit einer Teilung von Hab und Gut. Kurzerhand ließ Rainer mittels Absperrband die gute Stube und den vollbesetzten Rouherer-Saal in zwei Hälften teilen. Alle Hundefreunde mußten auf eine Seite, die Hundegegner auf die andere. Die Auswirkungen dieser Aktion waren ganz unterschiedlich: Manch einer lag im warmen Bett, andere auf oder neben der harten Ofenbank.

Nur eine hatte die Perfekte Lösung: Der Hirschmann Erwin mit seinem großen Haus und den vielen Schlafzimmern.

Doch der Kaminkehrer hat die Rechnung ohne seine Tochter Heidi, bzw. deren Hund Josef gemacht. Dieses putzige Kerlchen eroberte das „Schwarze“ Herz im Sturm, und der Ehemann, Vater und Schwiegersohn sah sich von Frau, Tochter und Schwiegermutter enttarnt.

Zu guter Letzt sind dann alle wieder zur Vernunft gekommen, die Paare haben sich versöhnt, Anzeigen wurden zurückgenommen und Josef gehörte von nun an zur Familie, so daß nur noch ein Schild am Gartenzaun angebracht werden mußte:

Vorsicht, bissiger Hund!

Zum krönenden Abschluß gab es noch eine Preisverleihung.
Für die beste Nebenrolle erhielt Erwin Hirschmann eine Auszeichnung.

Wesentlicher Bewertungsgrund war seine "unwiderstehliche Männlichkeit", wie man bei jeder Aufführung erkennen konnte.


Von einer anderen Geschichte soll hier auch noch berichtet werden:

„Schwallbacher Diplomatie“

aufgeführt am 29. Februar beim Ehrenabend des Schützenvereins Edelweiß Süß.

Ins kalte Wasser geworfen wurde die für die Regie verantwortliche Susi Rösl, die jedoch mit Geduld und viel gutem Willen mit den drei Akteuren beim Mittleren Wirt die Proben für dieses Stück leitete.

Mit einer geradezu spartanischen Ausstattung, ein Schreibtisch, drei Stühle und ein Telefon, setzten die beiden „alten Hasen“ Brigitte Bauer als Wiesnerin und Christine Schüller als Sekretärin am Bezirksgericht Grete mit dem absoluten Neuling in Sachen Schauspielerei Walter Wagner als Simerl, den absoluten Lacher in Szene.

Von ihrem Richter im Stich gelassen sollte die Sekretärin Grete mit „Diplomatie“ einen Versöhnungsversuch unternehmen, und die beiden Streithähne zur Vernunft bringen. Der vor seinem ersten Auftritt leicht nervöse Walter hatte kein Problem damit, den etwas aus der Fassung geratenen Simerl zu mimen, mußte er sich doch nur so geben, wie ihm zumute war. Die Wiesnerin tat dann noch ihr übriges dazu, denn mit ihren spitzen Lachern trieb sie die Unruhe beim Simerl weiter voran.

Die mit der schwierigen Aufgabe betraute Grete versuchte es zunächst mit Geduld und guten Argumenten, verlegte sich dann auf drängendes Zureden, bis ihr der Geduldsfaden riß, und sie die beiden mit allzu deutlichen Worten darauf aufmerksam machte, daß der Simerl ein gescherter Hammel und die Wiesnerin schlimmer als die Schlange im Paradies sei. Die so beschimpften hielten plötzlich zusammen, versuchten sich gegenseitig aus der verbalen Schußbahn Gretes zu bringen, und oh Wunder verbündeten, oder sollte man gar meinen, versöhnten sich auf der Stelle.

Viel Applaus ernteten die drei Schauspieler für ihre Leistung, und manch einen hörte man hinter vorgehaltener Hand sagen:

„Der Walter hat den nervösen Simerl richtig echt rübergebracht.“

„Hast du die Brigitte gesehen, die kann sich halt in jede Rolle hineinversetzen.“

„Meine Güte, ich hab die Christine noch nie so energisch gesehen, wußtest du, daß die überhaupt so schreien kann?“