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„‚Mascara‘?! Ist das nicht was zum Schminken für die Frauen?“
„Ja, Du hast recht, das ist Wimperntusche und wird genauso geschrieben, aber man betont dabei die zweite Silbe, also Mascara, Wir sprechen jedoch von ‚Der Mascara‘, da wird die erste Silbe betont, und es bedeutet so viel wie ‚Der Maskierte‘!“
In einer windigen Januarnacht im kühlen Nebenraum einer Dorfkneipe trafen sich nicht näher definierbare Subjekte zu einer konspirativen Sitzung. Hinter vorgehaltener Hand spricht man gar davon, der ‚Fiese Vermummte‘ war anwesend. Unter größten Schwierigkeiten war es möglich, folgendem Dialog zu lauschen:
„Können wir das überhaupt?“
„Muss es denn schon wieder so ein schwieriges Stück sein?“
„Ob die Zuschauer dieses Verwirrspiel überhaupt verstehen?“
„Da kann man ja gar nicht lachen, sollten wir nicht lieber etwas Lustiges spielen?“
„Wie soll man das mit den Masken eigentlich darstellen?“
„Also ich weiß nicht, wie stellst Du Dir das eigentlich alles vor?“
„Die Bühne ist doch ganz schön schwierig, wie sollen wir das überhaupt hinbekommen?“
„Das Stück ist perfekt für uns, wir haben uns entschieden, und so ist es nun!
Wer ein Problem damit hat, braucht ja nicht mitzumachen. Ich habe das Stück jetzt schon so lange in der Schublade, etwas Besseres ist nicht aufzutreiben, und wir sind jetzt reif dafür.
Wir machen das mit einer relativ einfachen Bühne, nur ein paar Gegenstände, nicht zu viele, und die verschiedenen Masken brauchen wir gar nicht, denn die sind für die Zuschauer unsichtbar, jeder Spieler muss eben die Veränderung durch Gestik und Mimik herausspielen, aber das könnt Ihr schon, da bin ich mir ganz sicher.
„Na dann, wenn das so ist, und wenn es das Wunschstück unseres Mafju´s ist, dann spielen wir es eben.“
So weit zu den ersten Diskussionen. Wie immer sind wir uns alle einig.
Und so war es, wir fingen an zu proben, und einer nach dem anderen war überzeugt, dass dieses Stück ein Erfolg wird.
Keiner rechnete jedoch mit dem großen Anklang, den dieses Stück bei den Zuschauern finden sollte.
Obwohl der erste Abend nicht ganz ausverkauft war, hatten wir ein super Publikum.
Das Spielen lief wie geschmiert, und wurde während der Aufführungen von den Einzelnen sogar noch etwas ausgefeilt.
So hat sich zum Beispiel die Hebamme mit ihrer Maske der Wollust erst richtig in ihre Rolle hineingespielt und wurde von Mal zu Mal waghalsiger. Wer weiß, was bei einer siebten Aufführung noch alles geflogen wäre? Wohl nicht nur die Handtasche und das Kopftuch?
Ähnlich erging es auch den beiden Hauptdarstellern, dem Mascara und seiner Miadei.
Bei der immer wieder für begeisterte Hochrufe sorgenden Bettszene trauten sie sich dann doch einmal ein Busserl auszutauschen, obwohl die Regieanweisung von Anfang an klar und deutlich zu hören war: „Los jetzt, Küssen!!!“
Viel auszuhalten hatte unser Bepperl. Deshalb hat er (oder sie) dann auch am Ende ihres Leidensweges in Anerkennung ihres fachlichen Wissens den Gesellenbrief im Bäckereihandwerk ausgehändigt bekommen.
In ihrer freundlichen redseligen Art wahrte sie alle Betriebsgeheimnisse und bewahrte ihren Vorgesetzten vor weiteren Schwindelanfällen. Denn schließlich: woaß koaner, was koa anderer net wissen derf!?
Der Meister Toagerl jedoch kam ganz schön ins Schwitzen, als die Wahrheit ans Licht kam, und obwohl er immer alles besser weiß, entfielen ihm blitzartig die Antworten, als es um die Natur und ihre Gewalten ging. Große Augen bekam der Bäckermeister aber, als ihm der Mascara mit Hilfe des gigantischen Gugelhupfs eine vollautomatische Bäckerei mit Semmelstraßen weissagte. Mit der Maske der Jugend stand er dann seinem Lehrling in nichts nach.
Wer bei den Bürgermeisterleutn die Wahl gewonnen hat, ist ganz deutlich zum Vorschein gekommen. Denn obwohl Er den Titel hat, wäre er ohne seine nach Amt und Würden strebende Frau wohl nie gewählt worden.
Bereits zu Anfang ist er schnell dabei, ihr nicht im Weg zu stehen. Sie hat aber erkannt, dass es schließlich seine Pflicht als Bürgermoaster und Oberhaupt des Dorfes ist, dafür zu sorgen, dass das Glück ins Dorf zurückkommt.
So versucht er nun den Mascara zu überreden, woraufhin dieser schnell erkannt hat, dass dem Bürgermeister die Maske des großen Redners mehr als gut tun würde.
Bei seiner personifizierten Rede zum Publikum konnte er dann auch gleich beweisen, dass Masken eben doch Redner machen können. Und als dann die Beförderung vom Bürgermeister über Landrat und Abgeordneten bis hin zum Minister vorausgesagt war, blieb als notwendige und längst überfällige Konsequenz nur noch die Maske der Grand Madame für die zukünftige Frau Minister übrig.
Einer der Höhepunkte einer jeden Aufführung war des knusprige Anterl, das dem Mascara zu einem Weitblick und dem Wirt zu einer Frau verhelfen sollte. Die erste Wahl war nicht gerade die Traumfrau, also wird mit der Maske des Charmeurs nachgeholfen. Mit ausdrucksvoller Körpersprache versucht er nun die Weiblichkeit zu reizen – zumindest bei einer hilfts. Dem verlockenden Duft der gebratenen Ente konnte aber keiner widerstehen. Der Vorhang ging zu, die Tür ging auf, und in Sekundenschnelle waren nur noch Knochen auf dem Tablett übrig.
Mit verschiedenen Gaben wird um die Gunst der Vorhersage gebuhlt. So auch der arme Knecht, der eine etwas aus der Form gebrachte, jedoch ganz frische Ware bringt. Einige Zuschauer meinten sogar, sie hätten von dem Opfer noch einige gequälte Laute vernommen. Leider ist es nicht nach dem Geschmack des Mascaras, der, vielleicht auch schon genug gesättigt von den vorherigen Speisen, dem Knecht eine Zigarre anbietet, weil "aus dem Rauch, da siehgt ma´s auch".
Besondere schauspielerische Qualitäten kamen zum Vorschein, als der Knecht mit Gesten und Lauten dem Publikum zu verstehen geben sollte, dass er sich so etwas wie diese hochwertige Zigarre noch nie hat gönnen können und so dieser Genuss zu etwas Besonderem für ihn wurde. Mit der Maske der Kraft wächst er über sich hinaus, wird unberechenbar, ja, man meint gar, er geht auf den Pater Friedl los.
Dabei will der auch nur das, was alle wollen, eine Maske. Der Unterschied jedoch, er möchte den Schwindel im wahrsten Sinne des Wortes auffliegen lassen.
Mit der Maske der übersinnlichen Kräfte kann er die leichtgläubigen Dorfbewohner von der Lumperei des Mascaras überzeugen. Ja, überzeugt hat er auch ganz seine Rolle gespielt, und am Ende hätte ihm jeder den Pater abgenommen.
Ein weiterer Höhepunkt und Garantielacher war die Gockel-Szene.
Nach vielen einsamen Proben gelang Miadei mit an Perfektion grenzender Genauigkeit und Konzentration die originalgetreue Wiedergabe ihres Textes. Dem verblüffte Ungläubigen fielen beim ersten Mal beinahe die Augen aus dem Kopf. Die Verwirrung steigert sich bei ihm, und nach einer Drohung des Mascaras verlässt er wie der Blitz die Bühne. Einer kleinen Konzentrationsschwäche muss es zu verdanken sein, dass wir diesen fluchtartigen Abgang an einem Abend gleich zweimal erleben durften. „Ich hol ihn scho!“
Das waren die Worte, die im letzten Akt Verwirrung stifteten. Doch, da auf der Bühne nur Profis stehen, haben sie kurzerhand ihren Text entsprechend geändert, und keiner hat etwas gemerkt.
„Ich setzt das auf, nix is wias war, drum nennt man mich der Mascara“
Anfang und Schluss - alles in einem!
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