S Süß. Kein kommunalpolitisches Klischee ließen die Theaterfreunde Süß bei ihrem aktuellen Dreiakter "D'Wahl-Lump'n" aus. Das Publikum findet sich im entbrennenden Wahlkampf plötzlich als Wahlvolk wieder und wird sogar zur Stimmabgabe gebeten.
Dominiert zunächst im
ersten Akt die lasche Amtsführung des seit Jahrzehnten ohne
Gegenkandidaten amtierenden Bürgermeisters F. X. Irlacher (Thomas Fenk)
und seines "einfach strukturierten"

Gemeindesekretärs Ignaz Wimmer (Georg Ritter), überschlagen sich
plötzlich die Ereignisse. Drei unzufriedene Bürgerinnen protegieren
eine in den Ort zugezogene preußische Gegenkandidatin. Der früher lieber
Weißwürsten und Weißbier zugetane Bürgermeister reitet nun - sehr zur
Freude des Publikums - seinen Beamten Wimmerl in die Tiefe der liegen
gebliebenen Aktenstapel und beginnt den schier aussichtslosen Wahlkampf
gegen die Preußin Gisela Stüder (Corina

Tietz). Dabei hechelt er mit seinen drei einfältigen Wahlhelfern
(Christian Lindner, Gilbert Hirschmann und Norbert Lindner), und seinem
noch einfältigerem Wahlspruch "Wia immer eahm" der Frauen-Power seiner
Gegenkandidatin hinterher. Deren Helferinnen (Brigitte Bauer, Helga
Sichelstiel und Sabrina Englhard) treiben einen findigen Wahlkampf und
hängen die Plakate ihrer Kandidatin sogar
"ins Männerklo beim Mittleren Wirt".
Ehe sich's das Publikum
versieht, gerät es zwischen die beiden Fronten. Von einer linken
Nebenbühne schmettert die Stüder - die auch schon mal als "Schröder" oder
"Stoiber" angesprochen wird - ihre ausgefeilte Rede ans Wahlvolk, sprich
Publikum, vom rechten Rednerpult volkstümelt der Amtsinhaber im

Stile eines Franz-Josef Strauß seine Parolen unter die Leute. Dass
der Politprofi sein Repertoire beherrscht, dafür sorgte im Vorfeld seine
Ehefrau (Susanne Rösl), die ihn fit für diesen Auftritt machte. Dass
natürlich ein Einzug in den Saal unter den schmissigen Klängen des
bayerischen Defiliermarsches nicht fehlen durfte, versteht sich von
selbst. Und schon ist es am Publikum zu wählen, ja sich zu entscheiden,
auf einem richtigem Stimmzettel ein Kreuz zu machen und den Zettel in eine
Wahlurne zu stecken.
Aber es zeigt
sich, dass beide Lager nichts dem Zufall überlassen wollen. Zunächst wird
der

Metzgermeister und Feuerwehrkommandant (Markus
Schmeißner) zur Bewachung der Wahlurne abgestellt, da die Stimmauszählung
erst am nächsten Morgen durchgeführt werden soll. Das Publikum wird nun
Zeuge, wie erst der neutrale Wächter mittels Schnaps in Tiefschlaf
versetzt und danach die Urne ausgetauscht wird. Zuerst jeweils von den
Wahlhelfern der beiden Lager, dann irrtümlicher Weise von der Frau
Bürgermeisterin, so dass letztendlich wieder die Originalurne zur
Stimmauszählung gelangt. Trotz aller Unzufriedenheit bleibt F. X. Irlacher
im Amt, "denn das Volk hat gewählt und hat richtig gewählt".

In das aus elf Schauspielern bestehende
Ensemble hat Regisseur Matthias Ströhl mit Corina Tietz, Sabrina Englhard
und Markus Schmeißner drei neue Akteure integriert, die sich für weitere
Aufgaben empfehlen. Insgesamt sechs Mal führten die Theaterfreunde das
Stück vor ausverkauften Saal auf. Mit dem letzten Vorhang endete auch die
"Amtszeit" einer sichtlich gerührten Wirtin Erika Fenk, bei der sich die
Theaterfreunde für die jahrelange freundschaftliche Zusammenarbeit mit
einem Abschiedspräsent bedankten.