Angefangen hat es wie immer damit, dass unser Mäfju einen Vorschlag machte, der natürlich kein Vorschlag war, sondern sich bereits fest in seinem Kopf eingenistet hat, und damit bereits fest stand.
Ohne große Diskussion wurde der „Vorschlag“ angenommen. - So weit so gut.
Mit den anderen Terminen waren wir in diesem Jahr auch ein bißchen früher dran als sonst, bereits frühzeitig wurde festgelegt, wer wann was zu erledigen hat: man merkt, wir lernen in jedem Jahr etwas dazu.
Große Änderungen gab es zu den vorangegangenen Jahren nicht, außer dass wir die Preise etwas erhöht hatten, bei unserem Generalprobenessen nur noch die Helfer eingeladen waren, und auch die Anfangszeiten der Aufführungen an den Sonntagen um eine Stunde vorverlegt haben. Entstehende Probleme, wie zum Beispiel das Ausbleiben einer ganzen Familie bei einer Sonntagsaufführung, konnte mit einem kurzen Anruf geklärt werden. Bei einer Aufführung gab es dann auch keine Musik, doch zum Glück war das nur ein Kommunikationsfehler und kein Unfall, der doch größere Probleme nach sich gezogen hätte.
Und schon können die Proben beginnen, aber halt, da fehlt doch jemand?
Ja eine der Hauptpersonen war noch nicht gefunden, ein Herr Stüder, oder vielleicht auch seine Frau, waren noch nicht gefunden. Geheimnisvolle Gerüchte rankten sich um diese Person, deren Name erst noch verborgen blieb.
Als dann die Neue endlich auftauchte, konnte sie einem richtig leid tun. Unsere Corinna hatte nämlich Probleme mit den Stimmbändern, die nicht so wollten wie unser Regisseur meinte. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Stimme von Probe zu Probe jedoch immer besser, und zur Premiere überraschte sie uns mit einer Stimmgewalt, die uns fast von den Socken haute. Hinzu kommt natürlich noch, und wir alle vermuteten natürlich, dass Corinna heimlich vor dem Spiegel trainiert hat, dass sie schon bei den ersten Proben fast ohne Luft zu holen, ihren Text herunterrasselte.
"Halt, halt, halt", kam es da aus der Ecke hinten links, "immer schön Pausen machen, sonst versteht es ja keiner mehr!" Die Stimme aus dem Hintergrund. Zwischen zwei Telefonaten, die er vor dem Fenster erledigte, hat er doch mitbekommen, was da alles so vor sich ging.
Auch unser Fonse konnte nicht verbergen, dass er am Anfang nicht so energisch war, wie er hätte sein sollen. Mit seinen Hirschecken und der rasierten Brust eroberte er sich schnell die Sympathie aller Spieler. Er offenbarte uns allerdings auch, dass seine Anita sich schon beschwere, da er auch zu Hause jetzt den großen Macker rauskehre, wo doch sie die Hosen an hat. Das bestätigte sich auch darin, als bei einer der Aufführungen an der rückwärtigen Wand plötzlich ein Plakat auftauchte, dass wir nicht aufgehängt hatten:
"Rauscher Moidl - sei Ma - Fan-Club"
Unser Vorstand war entsetzt: "Jetzt spiele ich seit 20 Jahren Theater, hatte noch nie einen Fan-Club, und der Markus spielt einmal mit und hat bereits eine Fan-Gemeinde."
Tja Thomas, daran erkennt man eben die Qualität des Spielers? Oder aber seine Beliebtheit! Aber du kommst ja auch nicht zu kurz: denn jedesmal klatscht der ganze Saal, wenn du mit Musik deinen Einzug hältst, oder liegt das vielleicht am bayerischen Defiliermarsch? Ein Reißer ist auch immer die Szene, in der du die Weißwurst nach deinem Gehilfen schmeißt: „Hergott Wimmerl, der Tag fangt ja scho wieder guat a“.
Ja, Ja, der arme Wimmerl! Einfach war es nicht mit ihm, aber was will man auch von so einem etwas einfach strukturierten Beamten erwarten, der nur auf Zuruf arbeitet, und dann jedesmal ins stolpern kommt, wenn er seinem Vorgesetzten gegenübertreten soll. Auch mit den einfacheren Arbeiten wie zum Beispiel der Registratur war es nicht leicht mit ihm, kein Wunder, dass dem Bürgermeister die wichtigen Unterlagen nicht erreichten, brachte er doch ständig alle Ordner durcheinander, ja er schmiss sie sogar dem Publikum vor die Füße, so daß ein paar Kinder schuldlos zu Statisten wurden und in die Handlung mit eingreifen mussten. Trotz allem, meisterte er diese Aufgabe, die so sehr seinem ursprünglichem Charakter glich, hervorragend, und erhielt für seine langen Dienstjahre von seinem Chef eine Auszeichnung mit dem dazugehörigen Geschenk, von dem wir wussten, dass es ihm schon seit Anbeginn seiner Spielerkariere am Herzen liegt:
Eine Packung Früchte-Müsli – lass es dir schmecken, Georg!
Apropos schmecken: Speziell für diese Aufführung hat sie ihn angefertigt: Mein Weißwursttopf – die Aufschrift und das passende bayerische Muster sind dir wirklich gelungen, Susi. Deinen besten Auftritt hattest du allerdings in Nachtgewand und rosa Plüschschuhen, das macht dir so schnell keiner nach. Als du dann auch noch bei einer Aufführung ‚nur zur Sicherheit‘ dir die Klebestreifen auf die Unterarme klebtest, hast du Vorausschau bewiesen.
Vermutlich haben es nicht alle mitbekommen, doch den drei Wahlhelfern des Bürgermeisters, als da waren Schilly, Norbert und Chris, ging die Wahlurne mit den Stimmzetteln auf der Bühne auf, als sie diese austauschen wollten. Kurze Panik, Schweiß, der Blutdruck schnellte in die Höhe, doch die drei Jungs haben das Problem schnell in den Griff bekommen. Es wurde ein bißchen geschimpft und gemeckert, die Wahlkarten eingesammelt und wieder eingefüllt. Langer Rede kurzer Sinn: nichts bringt die drei so schnell aus der Ruhe. Obwohl sie als „Alte Hasen“ vor den Aufführungen immer noch nasse Hände bekommen, ihr Gewand und die Schminke noch einmal überprüfen. Nicht zu vergessen der Stau vor der Toilette, wo jeder noch seinen letzten Angstbisler los werden will.
Das weibliche Gegenstück dazu hatte auch eine kleine Panne. Bei der gestellten Szene des Hinausfallens aus dem Fenster, kam man der Wirklichkeit einmal sehr nahe, denn unsere Gittl hatte sich tatsächlich den Fuß verknaxt und brachte so noch mehr Realität ins Spiel. Wie auf den Leib geschnitten war die Rolle für Helga. Sie verlieh der Apolonia Leben und Gefühl. Unter anderem überzeugte sie mit ihrer realitätsnahen Darstellung der leicht angeheiterten Walhhelferin, die sich kaum noch auf dem Stuhl halten kann. Als weiterer Neuzugang war da noch die Rosa. Sie konnte bereits bei der zweiten Probe ihren Text auswendig, und verblüffte damit alle anderen . Sabrina hatte als Rosa neckische Zöpfe, und fiel durch ihre Augen besonders auf, mit denen sie unserem Matthias Lindner Konkurrenz machen kann.
Die Wahl des neuen Bürgermeisters, um die es in diesen Stück ging, war ein interessantes Thema, und deshalb gibt es eine kurze Zusammenstellung der Wahlergebnisse:
Von sechs Wahlabenden hat zweimal die Herausforderin gewonnen.
Insgesamt gab es 450 Stimmen für Irlacher und 384 Stimmen für Stüder.
„Edi kommt“ – und das haben wir alle der
Christine zu verdanken.
Die Theaterfreunde Süß zu Gast beim Top Team
auf Antenne Bayern mit dem Moderator Edmund Soutschek. Ganz kurzfristig
wurde ein Grillnachmittag, gesponsert von Erika Fenk, ausgemacht, bei dem
so ganz nebenbei das Interview aufgenommen wurde. Wir waren alle furchtbar
aufgeregt, keiner wusste so recht was er sagen sollte, der Frosch im Hals
kam mit dem Mikrofon, doch die Hälfte von allem wurde sowieso
rausgeschnitten, also was solls. Einen riesen Spaß hat das alles gemacht.
Manche behaupten, das Beste dabei war das Freibier.
Ja so warns, die schönsten Wochen im Jahr
sind so schnell vorbei, doch in der Erinnerung leben sie weiter, vor allem
in dieser Geschichte und in den Erzählungen aller.
Das Ende der Theatersaison ist traditionell
der Ostermontag. In diesem Jahr endete damit auch die Amtszeit unserer
Wirtin Erika Fenk. Und so gab es am letzten Tag noch eine Megaparty, die
Süß so schnell nicht vergisst.
Improvisiert wurde viel an diesem Abend:
Zunächst gab es ein Lied für Erika, das
spontan von unserem Musikanten Markus mit ein paar Mädels einstudiert
wurde. Später gab es dann noch einen vierten Akt, und man kann wohl sagen,
dass es das längste Stück mit den kürzesten Proben war, das die
Theaterfreunde je auf die Bühne brachten. Ganz spontan und ohne Manuskript
brachten einige, die besten Szenen zu Stande, unser Regisseur staunte nur
noch: Woher können die das. Unter den Hauptpersonen waren: Tom Fenk,
Markus Schmeißner, Norbert Lindner, Georg Ritter uvm.
Mehr fällt mir jetzt nicht mehr ein, aber
falls ich was vergessen habe, jeder kann noch was dazuschreiben.