2001

Ratsch und Tratsch


Theaterstück 2001


Amberger Nachrichten vom 04. April 2001:

Für christliche Dorfgemeinschaft nicht tragbar


Experimente der Süßer Theaterfreunde mit kaltem Büfett
und dem ungewöhnlichen Stück "Ratsch und Tratsch"

Süß. Mit befreiendem Applaus quittierte das mit der tragischen Figur leidende Publikum das gesangliche Duett am Ende des dritten Aktes der beiden imaginären Figuren Ratsch und Tratsch. Zuvor musste eben dieser Franz Erbhofer in einer sich immer mehr zuspitzenden Tragödie das Köfferchen packen und seine Fanny und seinen Bauernhof verlassen. Nicht nur dieser ungewöhnliche Ausgang des Theaterstücks, sondern auch das kulinarische Drumherum in Form eines kalten Büfetts kam bei den Premierenbesuchern hervorragend an.

Zwei Experimente kündigte Moderator Bernhard Lindner dem Publikum in seiner Begrüßung zur Premiere des Theaterstücks "Ratsch und Tratsch" an. Einmal das kalte Büfett mit verschiedensten Leckereien, mit dem die Theaterfreunde Süß die Premiere erstmals zu einem besonderen Event machen  wollen. Nach der Stärkung unter musikalischer Begleitung der "Wetterberger", dann ein Theaterstück mit "ungewöhnlichem Ausgang", das zunächst einmal ganz konventionell beginnt: Postbote Oberwösser (Franz Flierl) kommt aus der Tiefe des Saals und teilt Briefe an ausgesuchte Persönlichkeiten im Publikum aus. Wie es sein Beruf verlangt, trotz Postgeheimnis natürlich bereits mit Detailwissen, was sich in den Couverts befindet.
Auf der Bühne angekommen, nimmt das Schicksal seinen Lauf, als er dem Bauern Franz Erbhofer (Thomas Fenk) einen "persönlichen Brief" aus der Stadt zustellen muss. Da dieser die Hände voll Arbeit hat, kann er ihn nicht öffnen. Die Kramerin (Brigitte Bauer), hinter ihrer Ladentür hervor lugend, vermutet eine unerwartete Erbschaft. Den Spekulationen sind nun Tür und Tor geöffnet.
Nun beginnt Schema Tratsch: Zunächst wird mit vielen Verrenkungen Dorfratschn Maria Fotzner (Kristina Koch) eingeweiht. Um dem Komplott nachzuhelfen, treten unerwartet zwei skurrile Harlekine, liebevoll wie auch die übrige Truppe hergerichtet von Gabi Ströhl, auf die Bühne. RATSCH (Matthias Lindner) und TRATSCH (Stefanie Koch) reden der Dorfratschn eindringlich ins Gewissen, bis das Gerücht seine Verbreitung findet, übernehmen die  "Regie" des Stücks, lenken die Phantasien der übrigen Akteure und manipulieren die Schauspieler in den verderblichen Ausgang. Das Publikum lässt sich von den beiden imaginären Figuren zum Ende des ersten Aktes mit einem Lied und während des zweiten Aktes in Gedichtform "is des niat schee" in den Pakt einbinden. Bei der genetisch vorbelasteten Schmatzerin (Christine Schüller), Gattin des Totengräbers und Nachtwächters, haben die beiden auch leichtes Spiel. Das trio infernale mit Kramerin, Schmatzerin und Maria Fotzner, von der Ratsch und Tratsch behaupten "sie ist doch unsere Beste", ist gebildet.
Doch der Wirts-Kare (Gilbert Hirschmann) wird ebenso umgedreht wie Nachwächter Achatz (Christian  Lindner) und selbst Postbote "Oberwösser,Oberwösser, Oberwösser..." wird so lange beschworen, bis feststeht, "dass der Erbhofer für die christliche Dorfgemeinschaft nicht mehr tragbar ist". Regisseur Matthias Ströhl lässt dabei dem Publikum mit dumpfen Paukenschlägen im Orff'schen Takt und dem "jüngsten Gericht" der Dorfbewohner den kalte Schauer auf die Haut treiben, um ihm gleich danach von Ratsch und Tratsch den Spiegel über den eigenen zwiespältigen Pausentalk vorzuhalten. Selbst die ansonsten dem Dorfklatsch nicht zugetane Kellnerin Burgl (Kathrin Bauer) kann sich dem Bann nicht entziehen und setzt mit "einem ledigen Kind in der Stadt" der schluchzenden und verzweifelten Erbhoferin (Susanne Herzog) noch eins drauf. Das Vertrauen zu "Franz" ist zerstört. Mit dem zweiten Duett beenden Ratsch und Tratsch zufrieden ihr Werk, die Spannung im Publikum entweicht und es erfährt, was wirklich in dem geheimnisvollen Brief steht.

 

Amberger Zeitung vom 17./18. März 2001:

Gesellschaftskritisch


"Ratsch und Tratsch" mit den Theaterfreunden aus Süß

Süß. "Ratsch und Tratsch" heißt das diesjährige Projekt der Theaterfreunde Süß, das zur Premiere am 31. März und an weiteren fünf Vorstellungen bis Ostern aufgeführt wird. Der Vorverkauf startet am kommenden Montag. Flankiert wird das Theaterstück von einem eigenen Internetauftritt sowie einer echten Premierenvorstellung mit kaltem Büfett.
"Ratsch und Tratsch" ist kein Stück in ansonsten üblicher "du-heiradst-mi-und-ich-heirat-di-Manier". Äußerst gesellschaftskritisch setzt es sich mit Gerüchten, Halbwahrheiten, Verleumdungen und deren Folgen für den Einzelnen auseinander. Ratsch und Tratsch beschreibt dabei nicht nur den landläufigen Smalltalk, sondern auch zwei imaginäre Figuren, die den Akteuren auf der Bühne auf nachdrückliche Weise ins nicht vorhandene Gewissen reden. Elf Schauspieler umfasst das Ensemble von Regisseur Matthias Ströhl, für das er neben bewährten Leuten auch auf zwei Neuzugänge zurückgreifen kann. Mit Stefanie Koch setzt er ein junges Talent gleich als "Tratsch" an tragender Stelle ein, Susanne Herzog gibt die "Erbhoferin".
Neben einem gewohnt unkonventionellen Theater gehen die Theaterfreunde bei ihrem dritten Stück in ihrer noch jungen Geschichte auch bei der Premiere neue Wege. Die Premiere ragt heuer deutlich aus dem Rahmen der übrigen Aufführungen. Bereits um 19 Uhr beginnt am Samstag, 31. März, der Theaterabend. Nicht mit dem gewohnten Vorhang auf, sondern zuächst ganz entspannt mit einem Aperitif zur Begrüßung, einem reichhaltigem kalten Büfett zur Stärkung und nach dem ersten Akt mit einem süßen Nachtisch. Die Zahl der Sitzplätze ist an diesem Abend reduziert. Der Eintritt für die Premierenvorstellung beträgt für Erwachsene 25 Mark, für Kinder 15 Mark.
face="Comic Sans MS">Ebenfalls Neuland hat der Verein mit einem eigenem Internetauftritt unter der Adresse www.theaterfreunde-suess.de beschritten. Neben Infos zu den bisherigen Theaterstücken gibt es auch alles Wissenswerte über das Ensemble sowie das neue Stück. In einem Gästebuch kann sich jeder virtuelle Besucher verewigen.
face="Comic Sans MS">Für die übrigen Aufführungen am Sonntag, 01.04., Samstag, 07.04., Sonntag, 08.04., Ostersonntag, 15.04., und Ostermontag, 16.04., hebt sich der Vorhang wie üblich um 20 Uhr. Der Eintritt beträgt hier 8 Mark für Erwachsene; Kinder bezahlen 5 Mark. Die Karten gibt es erstmals am Montag, 19. März, in der Zeit von 18 bis 21 Uhr in der Gastwirtschaft Rouherer. In der gleichen Zeit finden weitere Vorverkäufe am Freitag, 23.03., Mittwoch, 04.04., und Mittwoch, 11.04., statt.