Süß. Mit dem "Rauberpfaff" stehen die Theaterfreunde Süß in ihrer jungen Geschichte mit dem zweiten Stück auf der Bühne. Alle Beteiligten fiebern der Premiere am Samstag, 8. April 2000, entgegen.
Ausgewählt wurde diesmal eine bayerische
Räubergeschichte, deren Epoche zwar schon einige Jahrzehnte zurückliegt,
aber gerade durch kürzliche lokale und überregionale Ereignisse
als top aktuell einzustufen
ist.
Wie in der Pfarrei Hahnbach steht auch in der Pfarrei Keitersberg ein Pfarrerwechsel
an. Dass sich diesen Umstand und ein damit einhergehendes Unglück
ein Räubertrio zu Nutze macht, gibt gleich zu Beginn dem Stück
die richtige Wende. In welche Verwicklungen und Intrigen das Räubertrio
auf der Suche nach Geld gerät, zeigt eine Parallele zu den heute in
der Diskussion stehenden Parteispendenaffären. Doch viel mehr sei
zur jetzigen Zeit nicht verraten.
Elf Spielerinnen und Spieler zählt Regisseur Matthias Ströhl in diesem
Jahr zu seinem Ensemble. Neben
den Probearbeiten war aufgrund der großen Zahl der Akteure die Koordination
der privaten Termine mit den Terminen der Probeabende ein nicht zu unterschätzendes
Unterfangen. Aber dank tatkräftiger Unterstützung durch Gabi
Ströhl, die sich neben der Requisite auch als Springerin betätigte,
stand einer reibungslosen Probearbeit nichts im Wege.
Ihr Debüt auf der Theaterbühne
geben Kristina Koch und Kathrin Bauer. Ansonsten stehen mit Thomas
Fenk,Matthias Lindner, Brigitte Bauer, Gilbert Hirschmann, Christian Lindner,
Kerstin Sertl, Georg Ritter und Norbert Lindner Theater erfahrene Hasen
auf der Bühne, die bereits zu Landjugendzeiten ihre Auftritte hatten.
Nach langer Pause ist Manfred Wendl wieder mit von der Partie. Neben zwei
Bühnenbildern machen die Theaterfreunde auch vor der Intimität eines Beichtstuhles
nicht halt. Und der Zuschauer ist quasi als "Big Brother" live dabei.
In den Pausen runden musikalische Stückl'n die Aufführung ab.
Durch den Einbau einer zweiten Ebene in den Rouherer-Saal bleibt auch für
die rückwärtigen Zuschauer der Blick zur Bühne frei. |
Im Versteck des Rauberpfaff
Bei den Theaterfreunden
Süß hebt sich wieder der Vorhang
Süß. Von einem idyllisch gelegenen
Versteck spähen drei Räuber in eine Schlucht und lauern auf Beute,
im Hintergrund untermalt Vogelgezwitscher das Panorama und der Galopp von
Pferden ist zu vernehmen, ehe die Zuschauer Ohrenzeuge eines Unglücks
werden.
Diese Stimmung "malten" die Theaterfreunde
Süß beim Vorspiel zur Premiere des Dreiakters "Der Rauberpfaff"
auf die Bühne. Danach vollzieht sich die spektakuläre Verwandlung
eines gefürchteten Räuberpärchens in Pfarrer und Haushälterin.
Thomas Fenk alias Raubhauser Gust und Kristina
Koch als Räuberbraut erobern sich im 1. Akt die Herzen der Zuschauer
im Sturm. Thomas Fenk brilliert im Zwiespalt zwischen wildem Räuber
und ehrfürchtigem
Pfarrer,
der seine Tarnung nicht auffliegen lassen will. Die Spannung, ob die Tarnung
hält, überträgt sich bei jeder Prüfung ob mit dem Bürgermeister
(Manfred Wendl), dem Bräu (Christian Lindner), der Großbäuerin
mit ihrer Tochter (Brigitte Bauer und Kathrin Bauer) oder der Dorftratsch'n
(Kerstin Sertl) auf das begeisterte Publikum, das mit seinem Helden leidet
und die Erleichterung über die Wandlung von Robin Hood zu Don Camillo
mit Lachsalven und Applaus auf offener Szene frenetisch feiert.
Auch dem Schlucker, dargestellt von Georg Ritter, ist die Person des Pfarrers
egal, Hauptsache sein
"Messweinabkommen" wird verlängert. Nur der Mesner, gespielt von Gilbert
Hirschmann, wird angesichts mancher ritueller Fehler stutzig. Selbst der
übereifrige Dorfgendarm (Norbert Lindner) wird mit einer Finte, die
der dritte Räuber (Matthias Lindner) inszeniert, in Schach gehalten.
Und so wird das Publikum Zeuge, wie der Rauberpfaff seine Klienten im Beichtstuhl
nach ihren Schwarzgeldbeständen aushorcht. Wie in den richtigen Gotteshäusern
ist es bei den Beichtgängen mucksmäuschenstill im ansonsten unruhigen
Rouherer-Saal.
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