2000

Der Rauberpfaff


Theaterstück 2000


Amberger Nachrichten vom 06. April 2000:

Der "Rauberpfaff" ist ab 8. April aktiv


Theaterfreunde Süß bringen diesmal
Ereignisse beim Pfarrerwechsel auf die Bühne

Süß. Mit dem "Rauberpfaff" stehen die Theaterfreunde Süß in ihrer jungen Geschichte mit dem zweiten Stück auf der Bühne. Alle Beteiligten fiebern der Premiere am Samstag, 8. April 2000, entgegen.

Ausgewählt wurde diesmal eine bayerische Räubergeschichte, deren Epoche zwar schon einige Jahrzehnte zurückliegt, aber gerade durch kürzliche lokale und überregionale Ereignisse als top aktuell einzustufen  ist. Wie in der Pfarrei Hahnbach steht auch in der Pfarrei Keitersberg ein Pfarrerwechsel an. Dass sich diesen Umstand und ein damit einhergehendes Unglück ein Räubertrio zu Nutze macht, gibt gleich zu Beginn dem Stück die richtige Wende. In welche Verwicklungen und Intrigen das Räubertrio auf der Suche nach Geld gerät, zeigt eine Parallele zu den heute in der Diskussion stehenden Parteispendenaffären. Doch viel mehr sei zur jetzigen Zeit nicht verraten.

Elf Spielerinnen und Spieler zählt Regisseur Matthias Ströhl in diesem Jahr zu seinem Ensemble. Neben  den Probearbeiten war aufgrund der großen Zahl der Akteure die Koordination der privaten Termine mit den Terminen der Probeabende ein nicht zu unterschätzendes Unterfangen. Aber dank tatkräftiger Unterstützung durch Gabi Ströhl, die sich neben der Requisite auch als Springerin betätigte, stand einer reibungslosen Probearbeit nichts im Wege.

Ihr Debüt auf der Theaterbühne geben Kristina Koch und Kathrin Bauer. Ansonsten stehen mit Thomas  Fenk,Matthias Lindner, Brigitte Bauer, Gilbert Hirschmann, Christian Lindner, Kerstin Sertl, Georg Ritter und Norbert Lindner Theater erfahrene Hasen auf der Bühne, die bereits zu Landjugendzeiten ihre Auftritte hatten. Nach langer Pause ist Manfred Wendl wieder mit von der Partie. Neben zwei  Bühnenbildern machen die Theaterfreunde auch vor der Intimität eines Beichtstuhles nicht halt. Und der Zuschauer ist quasi als "Big Brother" live dabei.  In den Pausen runden musikalische Stückl'n die Aufführung ab. Durch den Einbau einer zweiten Ebene in den Rouherer-Saal bleibt auch für die rückwärtigen Zuschauer der Blick zur Bühne frei.


 

Amberger Zeitung vom 12.04.2000

Im Versteck des Rauberpfaff


Bei den Theaterfreunden Süß hebt sich wieder der Vorhang

Süß. Von einem idyllisch gelegenen Versteck spähen drei Räuber in eine Schlucht und lauern auf Beute, im Hintergrund untermalt Vogelgezwitscher das Panorama und der Galopp von Pferden ist zu vernehmen, ehe die Zuschauer Ohrenzeuge eines Unglücks werden.

Diese Stimmung "malten" die Theaterfreunde Süß beim Vorspiel zur Premiere des Dreiakters "Der Rauberpfaff" auf die Bühne. Danach vollzieht sich die spektakuläre Verwandlung eines gefürchteten Räuberpärchens in Pfarrer und Haushälterin.

Thomas Fenk alias Raubhauser Gust und Kristina Koch als Räuberbraut erobern sich im 1. Akt die Herzen der Zuschauer im Sturm. Thomas Fenk brilliert im Zwiespalt zwischen wildem Räuber und ehrfürchtigem  Pfarrer, der seine Tarnung nicht auffliegen lassen will. Die Spannung, ob die Tarnung hält, überträgt sich bei jeder Prüfung ob mit dem Bürgermeister (Manfred Wendl), dem Bräu (Christian Lindner), der Großbäuerin mit ihrer Tochter (Brigitte Bauer und Kathrin Bauer) oder der Dorftratsch'n (Kerstin Sertl) auf das begeisterte Publikum, das mit seinem Helden leidet und die Erleichterung über die Wandlung von Robin Hood zu Don Camillo mit Lachsalven und Applaus auf offener Szene frenetisch feiert.

Auch dem Schlucker, dargestellt von Georg Ritter, ist die Person des Pfarrers egal, Hauptsache sein "Messweinabkommen" wird verlängert. Nur der Mesner, gespielt von Gilbert Hirschmann, wird angesichts mancher ritueller Fehler stutzig. Selbst der übereifrige Dorfgendarm (Norbert Lindner) wird mit einer Finte, die der dritte Räuber (Matthias Lindner) inszeniert, in Schach gehalten. Und so wird das Publikum Zeuge, wie der Rauberpfaff seine Klienten im Beichtstuhl nach ihren Schwarzgeldbeständen aushorcht. Wie in den richtigen Gotteshäusern ist es bei den Beichtgängen mucksmäuschenstill im ansonsten unruhigen Rouherer-Saal.