Süß. Eine mehr als gelungene Premiere im doppelten Sinn erlebte das nicht mit Szenenapplaus sparende Publikum am Ostersonntag im ausverkauften Rouherer-Saal: erster öffentlicher Auftritt der Theaterfreunde Süß und erste Aufführung des „Elädrischen“. Damit wird erfolgreich die gute Tradition des Theaterspiels in Süß fortgeführt. Hierzu ließ sich der erst vor einem Vierteljahr gegründete Verein einige Neuerungen einfallen.
Zu Beginn der Aufführung, während
der Pausen und nach dem letzten Vorhang spielten die „Sulzbacher Musikanten“
im Quartett stilgerecht mit Tuba, Trompete, Klarinette und Schifferklavier
auf und gaben dem Theaterspiel einen runden Rahmen. Doch nicht nur
die
Musik war neu, sondern auch das „interaktive“ Theater zwischen Schauspieler
und Publikum, das das „Elädrische“ hergab. Da tritt nicht nur der
Maulwurfjäger (Matthias Lindner) mit dem Publikum in
Dialog
und kredenzt dem erstaunten Besucher seine verschmähte Portion Knödel
mit Kraut, sondern quer durch den Rouherer-Saal wird eine Stromfreileitung
verlegt, bei der einzelne Zuschauer via Mistgabel mehr oder weniger freiwillig
als Strommast fungieren müssen. Denn schließlich muss ja irgendwie
das „Elädrische“ vom „Oxaschloch“ auf den Vorreitner-Hof kommen.
Franz Flierl verkörpert dabei mit schauspielerischem
Schwung den auf Fortschritt bedachten und Neuem nicht abgeneigten jungen
Vorreitner-Bauer Sixt, der sich partout in den Kopf gesetzt hat, als erster
im Gäu ans Elädrische anzuschließen. Auf seiner Seite hat
er den pfiffigen und redegewandten Viehhändler, der diesmal weder
Vieh noch einen Hochzeiter für Sixt’s
wählerische
Schwester (Christine Schüller) bringen soll. Gilbert Hirschmann bietet
diesen perfekt in Gestik und Mimik dar und kompensiert dabei dessen mangelndes
Know-How durch überzeugende Fachausdrücke. So werden aus Isolatoren
einfach „Isomotoren“, ohne dass es den bis ins Detail bravourös einfältigen
Bauernsknechten, gespielt von Georg Ritter und Christian Lindner, überhaupt
auffällt. „Hauptsach’ der Fortschritt hält Einzug“, um die verhassten
Dreschflegel endlich loszuwerden. Dass damit auch ihr Arbeitsplatz auf
dem Spiel steht, wird ihnen erst bewusst, als sich Sixt’s Mutter (Helga
Sichelstiel) als absolute Gegnerin des „Fortschritts“ entpuppt. Helga Sichelstiel
obliegt nicht nur dieser technologiefeindliche Part, sondern sie stellt
darüber hinaus auch die strenge und selbstbewusste Altbäuerin
dar. Zwischen Fortschritt und Tradition reißt’s auch den Maulwurfjäger
(Matthias Lindner) hin
und
her, doch als ihm Sixt versichert, dass seine Maulwürfe auch künftig
nicht mit Rattengift gefangen werden, schlägt er sich endgültig
auf die Seite des „Elädrischen“, welches der Stromer (Norbert Lindner)
nun endlich installieren soll. Angesichts des Elans der beiden Knechte
muss die neue Magd (Kerstin Sertl) sogar als Installateurin herhalten.
Welche Veränderungen
der
Fortschritt auch für den zwischenmenschlichen Bereich bringt, erfahren
Rossknecht (Thomas Fenk) und Magd (Brigitte Bauer) leidvoll. Anders als
bei der Petroleumlampe gibt es nur mehr „ein oder aus - hell oder dunkel“.
Für Romantik bleibt nur mehr wenig übrig.