1999

s' Elädrische


Theaterstück 1999




Süß. Eine mehr als gelungene Premiere im doppelten Sinn erlebte das nicht mit Szenenapplaus sparende Publikum am Ostersonntag im ausverkauften Rouherer-Saal: erster öffentlicher Auftritt der Theaterfreunde Süß und erste Aufführung des „Elädrischen“. Damit wird erfolgreich die gute Tradition des Theaterspiels in Süß fortgeführt. Hierzu ließ sich der erst vor einem Vierteljahr gegründete Verein einige Neuerungen einfallen.

Zu Beginn der Aufführung, während der Pausen und nach dem letzten Vorhang spielten die „Sulzbacher Musikanten“ im Quartett stilgerecht mit Tuba, Trompete, Klarinette und Schifferklavier auf und gaben dem Theaterspiel einen runden Rahmen. Doch nicht nur  die Musik war neu, sondern auch das „interaktive“ Theater zwischen Schauspieler und Publikum, das das „Elädrische“ hergab. Da tritt nicht nur der Maulwurfjäger (Matthias Lindner) mit dem Publikum in  Dialog und kredenzt dem erstaunten Besucher seine verschmähte Portion Knödel mit Kraut, sondern quer durch den Rouherer-Saal wird eine Stromfreileitung verlegt, bei der einzelne Zuschauer via Mistgabel mehr oder weniger freiwillig als Strommast fungieren müssen. Denn schließlich muss ja irgendwie das „Elädrische“ vom „Oxaschloch“ auf den Vorreitner-Hof kommen.

Franz Flierl verkörpert dabei mit schauspielerischem Schwung den auf Fortschritt bedachten und Neuem nicht abgeneigten jungen Vorreitner-Bauer Sixt, der sich partout in den Kopf gesetzt hat, als erster im Gäu ans Elädrische anzuschließen. Auf seiner Seite hat er den pfiffigen und redegewandten Viehhändler, der diesmal weder Vieh noch einen Hochzeiter für Sixt’s  wählerische Schwester (Christine Schüller) bringen soll. Gilbert Hirschmann bietet diesen perfekt in Gestik und Mimik dar und kompensiert dabei dessen mangelndes Know-How durch überzeugende Fachausdrücke. So werden aus Isolatoren einfach „Isomotoren“, ohne dass es den bis ins Detail bravourös einfältigen Bauernsknechten, gespielt von Georg Ritter und Christian Lindner, überhaupt auffällt. „Hauptsach’ der Fortschritt hält Einzug“, um die verhassten Dreschflegel endlich loszuwerden. Dass damit auch ihr Arbeitsplatz auf dem Spiel steht, wird ihnen erst bewusst, als sich Sixt’s Mutter (Helga Sichelstiel) als absolute Gegnerin des „Fortschritts“ entpuppt. Helga Sichelstiel obliegt nicht nur dieser technologiefeindliche Part, sondern sie stellt darüber hinaus auch die strenge und selbstbewusste Altbäuerin dar. Zwischen Fortschritt und Tradition reißt’s auch den Maulwurfjäger (Matthias Lindner) hin  und her, doch als ihm Sixt versichert, dass seine Maulwürfe auch künftig nicht mit Rattengift gefangen werden, schlägt er sich endgültig auf die Seite des „Elädrischen“, welches der Stromer (Norbert Lindner) nun endlich installieren soll. Angesichts des Elans der beiden Knechte muss die neue Magd (Kerstin Sertl) sogar als Installateurin herhalten. Welche Veränderungen  der Fortschritt auch für den zwischenmenschlichen Bereich bringt, erfahren Rossknecht (Thomas Fenk) und Magd (Brigitte Bauer) leidvoll. Anders als bei der Petroleumlampe gibt es nur mehr „ein oder aus - hell oder dunkel“. Für Romantik bleibt nur mehr wenig übrig.