„Nix da, wir
feiern unser 10-jähriges separat und zwar im November. Schluss aus, und
jetzt will ich nix mehr davon hören!“
So oder so ähnlich hat unser Vorstand
auf die ewig gleiche Frage reagiert: Was machma denn mit unserem
10-jährigem?
Und recht sollte
er kriegen. Die ersten Planungen starteten schon Ende Mai, und zwar im
Fenk-Garten. Damals waren wir noch bei 3 Einaktern, Live-Musik und Szenen aus
den letzten Theaterstücken sowie ein Straßenfeger oder Ober, der die Leute
anpöbelt.
Lediglich die Moderation durch Matthias Schüller sowie der
Toilettensketch waren schon in trockenen Tüchern.
Mit den Proben wollten wir
gleich nach dem Ausflug anfangen und Ende Oktober so weit sein, dass wir einen
kompletten Durchlauf wie am Theaterabend machen könnten.
Einen Teil der
Einnamen wollen wir für einen guten Zweck spenden.
Mitte Juni wussten
wir dann schon mehr: mehrere Sketche sollten es sein und die Gründungsmitglieder
werden auch geehrt.
Im Nebenzimmer werden die vergangenen 10 Jahre in
Bildern festgehalten, die dann auf Staffeleien ausgestellt werden, die Walter
herstellt.
Umrahmt wird das ganze noch durch eine Sektbar.
Im Juli war es
dann so weit, „die Stücke sind alle scheiße“, hat Tom gesagt, „da muss ich noch
mal neue bestellen, die geben nix her!“
In den nächsten
Wochen rauchte bei Tom wahrscheinlich der Kopf, denn zum nächsten Treffen mit
allen Mitwirkenden Ende September legte er dann einen vollständig
ausgearbeiteten Plan vor.
Er hatte alle Stücke teils aus anderen Dialekten
ins Bayrische übersetzt, abgeschrieben, und kopiert, so dass jeder seinen Text
mit nach Hause nehmen konnte. Ein Probenplan wurde erstellt, die Regie verteilt
und schon konnte es losgehen.
Bereits in der
darauf folgenden Woche, also noch im September waren dann die ersten Proben im
Saal, und dann ging es Schlag auf Schlag.
Sieben Wochen Proben sahen so
aus:
- Montags: frei,
- Dienstags:Die Kassenprüfung,
- Mittwochs: der Nikolaus und Die Bestellung,
- Donnerstags: Bitte a Gruslg´schicht,
- Freitags: Die Theaterprobe
Dazwischen dann noch Der Franz und dann ganz zum Schluss Die
Ansage und der Toilettensketch.
Tom und Georg als Regisseure sowie Gabi als
Soufflöse waren sehr gefragt.
Am 1. November
trafen wir uns dann alle beim Rouherer um den Ablauf einmal durchzuspielen, die
Pausen festzulegen und die anderen Stücke anzuschauen.
Da es so war, wie es
immer ist, hatten an diesem Tag nicht alle Zeit, bzw. mussten früher gehen.
Daher kam es auch, dass bei den Fotos für unser Theaterheft zwei
Platzhalter her mussten.
Am 8. November
hatten wir dann eine Generalprobe der Generalprobe. Spätestens an diesem Abend
stand fest: das wird ein Knaller, die Zuschauer werden sich biegen vor Lachen,
und keiner wird im nächsten Jahr ein ganzes Stück sehen wollen.
So kam es dann
auch, die Zuschauer waren begeistert von den einzelnen Sketchen, bewunderten die
Schauspieler, lauschten interessiert den Anekdoten, die ihnen Matthias erzählte
und staunten im Nebenzimmer bei unserer Ausstellung „10 Jahre in Bildern“, dass
sie doch die meisten Stücke schon gesehen hatten.
Unsere Sektdamen
Annemarie Lindner und Michaela Fenk die am ersten Abend noch von Dagmar Wagner
und Annemarie Sertl unterstützt wurden, schmissen die Bar dann ganz alleine.
Böse Zungen behaupten ja, nach den Aufführungen wäre mehr Sekt getrunken worden
als in den Pausen, aber das kann ja wohl nicht stimmen.
Bereits zu Beginn
Der Ansage hatten sie das Publikum auf ihrer Seite. Obwohl Tom und Kerstin nur
2- oder 3-mal probten, bekamen sie das mit dem zankenden Ehepaar doch hin.
Wahrscheinlich war das doch wie im echten Leben?!
Auch Matthias
hatte nicht viel Gelegenheit, seine Moderation auf und vor der Bühne zu proben,
doch mit der richtigen Einstellung und einem guten Manuskript gelang ihm auch
dies.
Ein passender Witz zur rechten Zeit, ein kleines Rätsel, ein paar
Internas oder auch die Ehrungen, bei Matthias (alias Florian Silbereisen) war
dieser Akt in den besten Händen.
Bei der ersten
Probe zur Theaterprobe war bereits klar, diese Truppe darf nicht zu oft üben,
sonst sind sie nicht glaubwürdig. Keiner der Spieler hatte was dagegen, und mit
Text lernen waren sie auch nicht so geplagt, hatten sie ihr Manuskript immer mit
auf der Bühne.
Corina hatte schnell gelernt, wie sie die Berührung mit dem
kalten Boden vermeiden konnte. Steffi konnte auf Kommando losheulen, ihre Eltern
dachten sich bei der Aufführung bestimmt, wie lange sie das schon so gut kann?!
Sabrina hatte wenig Text, doch das glich sich wieder aus, da sie ja noch bei der
Kassenprüfung mitmachte. Auch Tom in seiner zweiten Rolle beklagte sich bei
Regisseur Georg über zu wenig Text, doch da war nichts zu machen. Georg musste
Spielen und Regie führen, kein Problem, auch das bekam er super hin.
Da es
üblich war, bei den Proben bei Verspätungen oder Terminproblemen kurz bescheid
zu geben, kam es zu leichten Irritationen, als der zuverlässige Franz nicht wie
gewohnt erschien. Auch ein kurzer Anruf bei seiner Frau klärte die Sachlage
nicht vollständig. Er sei noch bei seinem Vater, war die Aussage, doch da war er
nicht. Auch ein Anruf beim Mittleren Wirt, ob er am Stammtisch sei, brachte kein
Ergebnis. Verwirrung herrschte, doch alle Männer waren sich einig, seine Frau
rufen wir nicht noch mal an, und sagen ihr, dass der Franz weder bei uns, noch
bei seinem Vater ist.
Kurz darauf
erschien er leicht außer Atem: „Ich war noch in Sulzbach beim Skibasar, wer
hätte gedacht, dass man da so lange warten muss.“
Na ja, dann glauben wir es
ihm halt mal!?
Der offene
Bühnenumbau wurde auch nur bei der Generalprobe geprobt, aber immer perfekt
ausgeführt. Walter Wagner, Stefan Bauer und Erhard Ströhl handelten genau nach
Anweisung.
Weiter geht’s mit
der Grusl´schicht, da waren die ersten Kinder Stefanie und Johannes mit dabei.
Diese hatten recht bald ihren Text gelernt und mussten dann nur noch Mimik und
Lautstärke üben. Mit großem Eifer probten sie auch noch zu hause. Gittl war beim
Stricken so vertieft, dass sie sich einmal mit der Nadel in den Finger stach.
Auch Gittl hatte eine Doppelrolle als Statistin bei der Bestellung.
Die Kassenprüfung
war nach der Theaterprobe der längste Sketch. Für Michael nicht lang genug.
Gerne wäre er noch länger auf der Bühne geblieben und hätte Mäuschen gespielt.
Michael war jedes Mal furchtbar aufgeregt, und hatte einmal sogar Mühe, sich von
seiner interessanten Lektüre (Lucky Luke) zu trennen. Mit seinem Opa Willi hatte
er nicht nur auf der Bühne seinen Spaß, sondern auch sonst. Beide überboten sich
im Verstecken der Requisiten des jeweils anderen, und der Rest konnte dann
suchen. Helga hatte für Willi fast immer ein Flugbussi bereit, auch wenn er sie
manchmal ein paar Runden zu viel laufen ließ. Die besonnene Sabrina hatte auch
in diesem Stück wenig Text, dafür waren ihre Worte: „Stimmt niat“ umso
entscheidender. Jeder der drei Männer musste mit dem Geld rausrücken. Bei
Michael war es die Spardose, Willi hatte alles in seinem Geldbeutel und Norbert
zog die Scheine immer aus der Hosentasche. Doch Moment, bei der letzten
Aufführung waren seine 40 Mark waren nicht mehr an ihrem Platz, da musste er
sich doch tatsächlich auch aus der Kasse bedienen.
Achtung, der
Nikolaus kommt! Diese Rolle war Walter wie auf den Leib geschrieben. Hinter
Perücke und Bart verborgen und das goldene Buch mit Text in der Hand, da konnte
doch nichts mehr passieren. Oder doch? Was war passiert, der Nikolaus ohne
Mütze, die Perücke etwas zerzaust? Aha, er war am Vorhang hängen geblieben und
hatte keine Zeit mehr, den Markus verlor schon die Geduld und fragte: „Ja wo
bleibt er denn der Nikolaus, er müsste schon längst da sein.“ Man kennt ihn ja
eigentlich als ruhigen, überlegten und geduldigen Menschen, aber dass er auch so
laut, ungehalten und zornig werden kann, hat wahrscheinlich auch seine Frau
entsetzt. Auch bei Sabine hatte man zuerst das Gefühl, sie könnte diese Rolle
nicht so energisch spielen wie sie gedacht war, weit gefehlt. Auch Sabine
überraschte und überzeugte mit Energie und Stimme.
So sehr, dass
Jonas manchmal nicht ganz wusste, ist es nun Ernst oder doch nur gut gespielt.
Der immer lächelnde Jonas, der doch lieber singen wollte als ein Gedicht
aufsagen. Bei der zweiten Aufführung hatte Jonas dann auch noch Geburtstag, und
der Nikolaus hatte diesmal ein richtiges Geschenk in seinem Sack dabei. Da
konnte er sich erst recht freuen. Eigentlich war seine Schwester Theresa ja ein
bisschen neidisch auf ihn. Denn als Tom bei den Grafs anrief und erzählte, dass
wir dieses mal ein paar Kinder mit einbauen wollten, dachte Theresa, das wäre
ihr großer Durchbruch, aber wir wollten ihren kleinen Bruder haben. Theresa nahm
es gelassen und war bei fast jeder Probe ihres Bruders mit anwesend.
Bei der Bestellung
Ging es hoch her. Zum einen schon deshalb, weil die Bühne umgebaut werden
musste, das Sofa kam raus, ein zweiter Tisch mit auf die Bühne und Kristina und
Matthias mussten ein paar Kilos zulegen. Da beide nicht essen wollten, mussten
eben Kissen oder ähnliches her. Manfred musste weder essen noch ausgestopft
werden, er passte so wie er war, obwohl ihm offensichtlich sein Leibchen etwas
zu warm war, ihm standen ständig die Schweißperlen auf der Stirn. Er war
übrigens der einzige bei diesem Sketch, der seinen Text auswendig lernen musste,
die anderen beiden hatten ja die Speisekarte vor sich. Als Statisten für diesen
Sketch hatten sich Gittl und Säm geopfert, die alten Käse essen und schlechten
Wein trinken mussten.
Beim Franz hat Tom
zu den zwei Mädels, Christine und Kathrin gesagt, sie können sich selbst
aussuchen, wer wen spielt. Da aber Kathrin offensichtlich schon in Garmisch war,
und den Dialekt besser hinbekam, musste Christine in den sauren Apfel beißen und
den längeren Text lernen. Tom hatte ihnen bei den Proben eingeredet, dass alle
anderen Spieler schon längst ihren Text konnten, nur die beiden noch nicht. Was
haben die dann gemacht?! Ihren Urlaub geopfert und jeden Tag geübt. Als sie dann
zurück waren, saß der Text wie eine eins. Bravo, könnt ihr beim nächsten Mal
wieder fortfahren.
Wer macht mit beim
Toilettensketch? Das war die Frage, doch die Antwort kam nicht wie aus der
Pistole geschossen. Willi, du machst auf jeden Fall mit, hieß es von Tom,
Matthias verzichtete dann zugunsten von Markus und der mittlere war schnell
gefunden, denn wir brauchten einen Raucher, also war Säm noch gefragt.
Ursprünglich als Zugabe gedacht, war der letzte Gäg gleichzeitig der Beste. Wer
sich bisher noch auf dem Stuhl halten konnte, hatte nun endgültig die
Beherrschung verloren.
Alles in allem
eine gelungene Aufführung. An 3 Abenden hatten wir insgesamt 497 Zuschauer und
freuen uns schon auf unser nächstes Stück 2010.
Ein dreifaches:
„Vorhang auf“